Fest der Taufe des Herrn A (08.01.2017)

Predigt: Dieser ist mein geliebter Sohn!

L1: Jes 42,5a.1-4.6-7; L2: Apg 10,34-38; Ev: Mt 3,13-17
Quelle 

Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Der Himmel öffnete sich, als Jesus im Jordan von Johannes getauft worden war: im Evangelium nach Matthäus wird uns genau dies berichtet (vgl. Mt 3,16).

Wie lange schon hatten die Frommen des Volkes Israel auf den verheissenen Retter gewartet; wie sehr hatten sie Ausschau gehalten nach dem, der von den Propheten angekündigt war als „Knecht Gottes“, als sein Erwählter, der den Völkern das Recht bringen würde (vgl. Jes 42,1)!

Wir erinnern uns an den adventlichen Ruf, wie ihn der Prophet Jesaja formuliert hat und wie er im „Rorate caeli“ Eingang gefunden hat in die christliche Liturgie: „Taut, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen! Die Erde tue sich auf und bringe das Heil hervor, sie lasse Gerechtigkeit sprießen. Ich, der Herr, erschaffe es.“ (Jes 45,8)

Im Lied „Tauet Himmel“ heisst es noch: „Denn verschlossen war das Tor, bis der Heiland trat hervor.“ (GL 790/791)

Wer also würde dieses Tor zum Himmel öffnen, und wann würde dies geschehen? Nicht der Mensch vermag dies aus eigener Kraft; Gott allein kann es bewirken. Wir sind angewiesen auf einen Erlöser und Befreier, der uns mit Gott versöhnt und herauszieht aus dem durch die Sünde verursachten Elend.

Gibt es Hoffnung?

Das trat ein Mensch auf, welcher die Menschen durch sein Zeugnis für die Wahrheit beeindruckte. Sein Name war Johannes. „Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.“ (Joh 1,7) Nicht Johannes selber war das Licht, obwohl dies manche seiner Zuhörer meinten. Er sollte nur jener sein, der die Menschen auf das Kommen des Messias vorbereitete. Dies tat er mit eindringlichen Worten, in denen er zur Umkehr und Busse aufrief. Als Zeichen dieser Umkehr taufte er die Menschen im Wasser des Jordan.

Und dann kam Jesus!

Unscheinbar nach aussen hin reihte er sich ein in die Schar der Menschen, die von Johannes getauft werden wollten. Als Johannes merkte, wer plötzlich vor ihm stand, da schreckte er zurück und zögerte, Jesus zu taufen. Denn, wie er gegenüber Jesus einwendet: „Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“ (Mt 3,14)

Wie kann sich der ganz Heilige und Reine von dem taufen lassen, der zwar der Grösste aller Propheten ist, aber doch weit hinter dem Messias zurücksteht? Das Heil wird durch Johannes angekündigt, aber nicht vermittelt. Denn es gibt nur einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Menschen Jesus Christus, „der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle“ (vgl.1 Tim 2,5–6).

Jesus aber will, dass sich die Gerechtigkeit Gottes ganz erfüllt (vgl. Mt 3,15). Und so wird er von Johannes getauft!

Nachdem dies vollzogen ist und er aus dem Wasser des Jordan heraufgestiegen ist, öffnet sich der Himmel. Und nun geschieht Offenbarung: Gott selbst macht seinen Sohn kund, indem der Geist Gottes wie eine Taube auf Jesus herabkommt und eine Stimme aus dem Himmel spricht: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ (Mt 3,17)

Eine neue Zeit beginnt! Das Heil Gottes ist sichtbar erschienen. Ja, Gott selbst ist in unsere Welt eingetreten, indem er einer von uns geworden ist. Dieser Mensch Jesus, der sich eingereiht hat in die Schar jener, die von Johannes getauft werden wollten, ist mehr als ein Mensch: Er ist der wesenhafte Sohn Gottes, der vom himmlischen Vater in die Welt gesandt und mit dem Heiligen Geist gesalbt wurde. Er ist der Christus, der Messias, denn dies bedeutet: der Gesalbte. In ihm finden wir das Heil.

Wie aber erhalten wir Anteil an der Erlösung in Jesus Christus? Gott bietet uns ein unsagbar grosses Geschenk an: er schenkt uns in seinem Sohn das göttliche Leben, er will uns zu Kindern Gottes machen. Doch dazu braucht es unser eigenes Ja im Glauben: „Gott hat uns erschaffen ohne uns, er wollte uns aber nicht retten ohne uns“ (Augustinus, serm. 169,11,13).“ (KKK 1847)

So ist es gerade heute am Fest der Taufe des Herrn angebracht, dass wir uns der eigenen Taufe neu bewusstwerden. Wenn wir dem Bösen absagen und das Glaubensbekenntnis sprechen, dann ist dies ein Ausdruck unserer Bereitschaft zur Bekehrung. Gott hat uns befreit von aller Sünde und Schuld, er schenkt uns sein göttliches Leben und macht uns zu Erben des Himmels. Dies aber wird uns geschenkt, wenn wir uns mit Jesus Christus im Glauben verbinden und die Gnade der Taufe annehmen. Auf diese Weise werden auch wir mit dem Heiligen Geist erfüllt, und der himmlische Vater wird auch zu uns sagen: „Diese/r ist mein/e geliebte/r Sohn/Tochter, an dem/der ich mein Wohlgefallen gefunden habe“ (vgl. Mt 3,17)

Gott selbst hat Wohlgefallen an uns, weil wir durch die Gnade der Taufe seine Söhne und Töchter geworden sind. In Jesus Christus, dem ewigen Sohn Gottes, sind wir hineingenommen worden in Gottes eigene Familie. Darin liegt eine unbeschreiblich grosse Würde und Auszeichnung! Wenn wir uns dessen wirklich bewusst sind, dann erfüllt uns tiefe Freude. Die Verbundenheit mit Jesus Christus, dem Erlöser, wird unser Leben tragen und begleiten, ungeachtet aller Schwierigkeiten, Prüfungen und Versuchungen. Gott ist bei uns; er geht den Weg der Menschen mit uns.

In diesem Sinn empfehlen wir uns der Fürbitte der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, denn aus ihr wurde Jesus geboren im Stall von Bethlehem. Sein Licht begleite uns an jedem Tag unseres Lebens, bis wir eintreten dürfen ins himmlische Vaterhaus!

Amen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Die drei Säulen der röm. kath. Kirche

monstranz maria papst-franziskus

Archiv

Empfehlung

Ausgewählte Artikel