Ein Heiligtum für Johannes Paul II.

Kirche der Papst-Gedenkstätte in Krakau wird am Sonntag eröffnet

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Von Oliver Hinz (KNA)

Krakau, kath.net/KNA, 22. Juni 2013

Polens katholische Kirche ist schneller als der Vatikan. Schon am Sonntag segnet der Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz in der südpolnischen Stadt das Johannes-Paul-II.-Heiligtum. Dabei ist der im ganzen Land hochverehrte einstige Papst noch kein Heiliger. Offenbar frühestens im Herbst wird Papst Franziskus seinen Vorgänger heiligsprechen und damit zum Vorbild für die Weltkirche erklären. Darauf müsse man “vorbereitet sein”, freut sich Dziwisz über die Fertigstellung der weltweit grössten Erinnerungsstätte für Johannes Paul II. (1978-2005).

Das Erzbistum Krakau bewies bei dem Grossprojekt grösseres Geschick als die Hauptstadt-Erzdiözese. In Warschau kommt wegen der verhaltenen Spendenbereitschaft der Gläubigen der 2002 begonnene Bau der Nationalkirche “Tempel der Göttlichen Vorsehung” nur langsam voran. In Krakau dagegen lief die Errichtung des Heiligtums zu Ehren von Johannes Paul II. reibungslos; sie dauerte keine fünf Jahre.

“Es gab schwierige Momente, aber immer fand sich danach irgendwie Geld”, sagt der Rektor des Krakauer Sanktuariums, Bischofsvikar Prälat Jan Kabzinski. “Der Bau wurde nie unterbrochen und es gibt keine unbezahlten Rechnungen.” Das Erzbistum Krakau, das Johannes Paul II. vor seiner Papstwahl 14 Jahre lang leitete, hat Kabzinski zufolge seine gesamten Ersparnisse in die riesige Anlage gesteckt. Die bisher nötigen rund 30 Millionen Euro kamen auch durch den Verkauf von feinem Gebäck zusammen. Die Konditorei “Michalscy” verkaufte in all ihren Filialen “Kremowka papieska”, Sahneschnitten, die Johannes Paul II. so mochte. Für jedes Stück spendete sie 25 Cent für das Heiligtum. Wohl auch aus Dank dafür darf die Konditorei seit einem Jahr ein Café in einem Seitenflügel des Gebäudes betreiben. Katholiken gaben dem Heiligtum den Spitznamen “Papststädtchen”. Auch das Erzbistum nannte es auf seiner Webseite bereits so. Zweifellos handelt es sich um eine der bedeutendsten kirchlichen Neubauten in Polen seit Jahrzehnten. Bunte Mosaike schmücken den Hauptaltar und die Wände der fast 2.500 Quadratmeter grossen Kirche. Gefertigt hat die Schlüsselszenen der Bibel der slowenische Künstler und Jesuit Marko Ivan Rupnik. Der 58-Jährige entwarf bereits Mosaiken für den Apostolischen Palast im Vatikan: die Marienkapelle “Redemptoris Mater” und die “Seconda Loggia”, die Audienzräume des Papstes.

Ebenfalls eröffnet wird am Sonntag ein Johannes-Paul-II.-Museum – allerdings in provisorischen Räumen. Das eigentliche Museumsgebäude befindet sich noch im Bau, ebenso das Konferenzzentrum, das Pilgerhaus und ein Hotel. Schon fertig sind das Freiwilligenzentrum und das Haus für das nach dem polnischen Papst benannte Institut für kulturübergreifenden Dialog. Die Bauarbeiten an dem etwa 30 Meter hohen Turm sind fast abgeschlossen. Die Unterkirche wird bereits seit Juni 2011 genutzt. Darin gibt es zahlreiche Reliquien von Johannes Paul II. In der Mitte der achteckigen Kirche steht ein Altar, in dem in einem Glasgefäss gut sichtbar Blutstropfen eingefügt wurden. In einer Seitenkapelle gibt es eine weitere Blutreliquie – in einem Behältnis auf der weissen Marmorplatte des früheren Papstgrabs unterhalb des Petersdoms (s. auch Video). Die Platte wurde nach Krakau gebracht, nachdem Johannes Paul II. bei seiner Seligsprechung am 1. Mai 2011 seine neue Ruhestätte im Petersdom erhalten hatte. Alle Gemälde an den Wänden der Unterkirche zeigen Johannes Paul II. – unter anderem gemeinsam mit Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI. (2005-2013), in Altötting und mit dem Wiener Kardinal Franz König (1905-2004) im österreichischen Mariazell.

Das Grossprojekt sei nicht billig, aber kein Zloty sei “verschwendet worden”, betont Dziwisz, langjähriger Privatsekretär von Johannes Paul II. Das Heiligtum hüte und festige das grosse Erbe des Papstes, “damit wir aus der grossen Schatztruhe voller Gedanken, Reflexionen, Gebeten und Haltungen des seligen Johannes Paul II. schöpfen und die von ihm gelebten und gelehrten Worte vorleben können”. Der Kardinal macht kein Geheimnis aus seiner Hoffnung, dass der neue Papst bereits im Oktober Johannes Paul II. heiligspricht. Er sprach darüber laut polnischen Medienberichten erst kürzlich mit Franziskus im Vatikan. Dieser werde “die Geduld nicht überstrapazieren”, meinte Dziwisz anschliessend, kath.net hat berichtet.

Papst Johannes Paul II. besucht Polen

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