Philosoph sieht verfehlte Debatte

Homo-Ehe in Frankreich

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Ausschreitungen in Frankreich

Philosoph Gauchet in “Radio Vatikan”-Interview: Vehemenz des Streits liegt in Gefühl der Instrumentalisierung der Kinder begründet

Paris-Vatikanstadt, kath.net/KAP, 25. April 2013

Eine verfehlte Debatte rund um das Thema “Homo-Ehe” ortet der französische Historiker und Philosoph Marcel Gauchet. Die Heftigkeit der Auseinandersetzung in Frankreich zu diesem Thema liege nicht in der Frage der rechtlichen Zulässigkeit gleichgeschlechtlicher Partnerschaften begründet, sondern in der Frage nach dem “Status des Kindes”. Es gebe ein breites gesellschaftliches Unbehagen in der Debatte, da das Kind zu einer “Sache” degradiert und instrumentalisiert werde, sagte Gauchet im Gespräch mit “Radio Vatikan”.

Indem die Regierung die Diskussion auf die Frage der rechtlichen Gleichheit begrenzt habe, habe sie die eigentliche Frage, nämlich jene nach den Veränderungen rund um die “neuralgische Institution Familie”, ignoriert.

Am Dienstag hatte die französische Nationalversammlung mit einer Mehrheit von 331 zu 225 Stimmen für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe und das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare votiert. Die Opposition will das Gesetz nun vor dem Verfassungsrat des Landes anfechten. Kurz vor der Abstimmung war es in der Nationalversammlung zu tumultartigen Szenen gekommen, als Gegner der “Homo-Ehe” auf der Publikumstribüne ein Protestbanner entfalten wollten.

Die Rechtsstaatlichkeit im aktuellen Gesetzgebungsverfahren sieht Gauchet nicht unterlaufen. Die Regierung habe den “völlig regulären Weg” gewählt. Die jüngsten Proteste richteten sich jedoch laut Gauchet auch nicht auf die Legalität des demokratischen Verfahrens, “sondern zeugen vom weit verbreiteten Gefühl, dass die parlamentarische Diskussion die wahren Knackpunkte nicht angesprochen hat”. Darin liege jedoch ein demokratisches Grunddilemma, so der Philosoph: “Man kann die Formen auf die ehrlichste Weise einhalten und dem Volks trotzdem den Eindruck vermitteln, dass es mit den Fragen, die es sich stellt, nicht wirklich repräsentiert wird.”

Marcel Gauchet leitet das französische Forschungsinstitut EHESS und ist Chefredakteur der Zeitschrift “Le Debat” – zu deutsch: “Die Debatte”. In den 1990er Jahren wurde er u.a. durch seine wissenschaftliche Kooperation und gemeinsame Aufsätze mit dem politischen Philosophen Claude Lefort bekannt.

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