Missionar in Peru: „Viele hoffen, dass der Papst zur Versöhnung beiträgt“
Quelle
Missionar in Peru: „Soziales und Glaube gehören zusammen“ – Vatican News
Christine Seuss – Vatikanstadt

Dass Leo XIV. als früherer Missionar und Bischof nach Peru zurückkehrt, bewegt viele Menschen. P. Max erlebt, wie groß die emotionale Verbundenheit mit dem Papst ist: „Die Leute sind wahnsinnig stolz, dass einer von ihnen Papst geworden ist. Dass er jetzt nach Hause kommt, ist für sie, als würde jemand zu seiner Mama zurückkehren. Das höre ich immer wieder. Die Menschen sind davon wirklich sehr berührt“, erzählt er. Besonders in Chiclayo, wo Leo XIV. Bischof war, aber auch in der Hauptstadt Lima sei die Vorfreude groß.
Ein Bischof kehrt als Papst zurück
Gleichzeitig steht Peru vor erheblichen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Folgen der politischen Gewalt der 1980er- und 1990er-Jahre seien noch immer spürbar, viele Wunden nicht verheilt. Hinzu kämen Korruption, Unsicherheit und politische Spannungen. In dieser Situation gewännen Forderungen nach einer starken Führung und einer Wiederherstellung der Ordnung – nicht nur in Peru – spürbar an Bedeutung, schätzt der Dominikaner ein, der früher auch bei Radio Vatikan und an der Ostkirchenkongregation (heute Dikasterium für die katholischen Ostkirchen) gearbeitet hat.
„Ich hoffe, dass Papst Leo Worte findet, die niemandem einfach nach dem Mund reden, sondern deutlich machen, welche Verantwortung wir alle dafür tragen, gut miteinander zu leben“, sagt P. Max. Das werde angesichts der schwierigen Lage nicht einfach. Umso mehr hoffe er aber, dass der Papst zur Versöhnung beitragen könne.
Eine Kirche, die wieder zueinanderfinden muss
Auch innerhalb der katholischen Kirche in Peru gebe es unterschiedliche Auffassungen darüber, wie sie ihren Weg in die Zukunft gestalten solle. P. Max beobachtet, dass die Auseinandersetzung zwischen Vertretern der Befreiungstheologie und konservativeren Strömungen weiterhin nachwirkt. Es gebe noch immer Misstrauen und unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Kirche auf die gesellschaftlichen Herausforderungen reagieren solle, meint er.
Der Dominikaner verbindet mit dem Papstbesuch deshalb auch die Hoffnung auf mehr Zusammenhalt innerhalb der Kirche. „Wenn wir selber nicht eins sind, dann können wir auch nicht in die Gesellschaft hineinwirken“, sagt er. Eine Kirche, die nach außen glaubwürdig für Versöhnung eintreten wolle, müsse auch im eigenen Inneren Wege finden, bestehende Spannungen zu überwinden.
Begegnung mit einer lebendigen Kirche
In Cusco soll Leo XIV. unter anderem Vertreter der Volksfrömmigkeit und indigener Gemeinschaften treffen. P. Max, der sich zum Zeitpunkt unseres Gesprächs in der Stadt aufhielt, bedauert, dass für den Besuch nur wenig Zeit vorgesehen sei. Cusco liegt auf rund 3.400 Metern Höhe – eine körperliche Herausforderung für Menschen, die daran nicht gewöhnt sind. Der Dominikaner erwartet, dass dort eine Kirche sichtbar werde, die sich deutlich von europäischen Erfahrungen unterscheidet: „Wir werden eine sehr bunte, lebendige, laute und feiernde Kirche erleben.“
Auch die Begegnungen mit sogenannten synodalen Teams bei mehreren Stationen der Reise hält P. Max für bedeutsam. Dass solche Treffen inzwischen zum Programm einer Papstreise gehörten, sei ein Zeichen dafür, welchen Stellenwert das Thema Synodalität gewonnen habe. P. Max sieht darin auch eine ausdrückliche Würdigung durch Leo XIV.: „Der Papst unterstützt, dass die Kirche eben nicht nur von oben nach unten, sondern synodal geführt wird.
Im Amazonasgebiet: Ausbeutung und Umweltzerstörung
Ein weiterer hervorstechender Programmpunkt ist der Besuch in Pucallpa im peruanischen Amazonasgebiet. P. Max, der als Dominikaner im Apostolischen Vikariat Puerto Maldonado wirkt, kennt die Probleme im Amazonas aus eigener Erfahrung. Illegaler Bergbau und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen bedrohten die Umwelt und belasteten das Leben der Menschen, berichtet er.
In Pucallpa will Leo XIV. mit Missionaren zusammentreffen und sich über die Sorgen der Bevölkerung informieren. P. Max hofft, dass der Besuch dazu beitragen werde, die Lebensbedingungen der Menschen im Amazonasgebiet stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Junge Menschen suchen Unterstützung
In Lima, der letzten Station des Peru-Besuchs und der Reise insgesamt, wird Leo XIV. im Rahmen einer Gebetsvigil Tausenden von jungen Menschen begegnen. P. Max sieht darin eine besondere Chance. Zwar sei der katholische Glaube in Peru nach wie vor stark verwurzelt, doch auch dort nehme die Bindung an die Kirche bei jüngeren Generationen ab.
Viele Jugendliche empfänden das als schmerzhaft und wünschten sich mehr Unterstützung für ihre Arbeit in den Gemeinden, erklärt der Missionar. Er hoffe, dass die Begegnung mit dem Papst ihnen neue Impulse geben könne. „Wenn uns der Papst in unserer Arbeit unterstützt, kann uns das auch in der Jugendarbeit und in der Pfarrei helfen. Und deswegen ist das für mich auch persönlich einer der Höhepunkte“, sagt P. Max.
Zwischen Dürre und Waldbränden
Wie unmittelbar die Menschen in Peru von den Folgen extremer Wetterbedingungen betroffen sind, erlebt P. Max in seiner eigenen Region. Obwohl die Regenzeit beginnen sollte, sei es ungewöhnlich heiß und trocken gewesen. Die Bauern hätten ihn in mehreren Gottesdiensten gebeten, für Regen zu beten, damit ihre Kaffee- und Kakaopflanzen nicht vertrockneten.
Hinzu kamen schwere Waldbrände. Als P. Max selbst einmal mit dem Jeep aus dem Urwald zurückgefahren sei, habe er riesige Feuer in der Umgebung seiner Stadt gesehen. „Ich hatte echt Angst. Ich hätte nicht gedacht, dass ich in meinem Leben einmal solche riesigen Waldbrände sehen würde“, erzählt er. Gott sei Dank habe sich das Feuer nicht in die Stadt hinein ausgebreitet. Die Sorge sei jedoch groß gewesen, dass sich die Lage weiter verschärfen kann.
Während seine Region unter Trockenheit und Bränden litt, kam es in anderen Landesteilen zu Überschwemmungen. Die Gegensätze machten deutlich, wie wenig die Menschen solchen Naturereignissen entgegensetzen könnten. „Es ist krass zu sehen, wie schnell das geht: Überschwemmungen im Norden, bei uns jetzt die Trockenheit. Man ist so ausgeliefert. Man kann nichts dagegen tun. Das ist eigentlich das Schlimmste“, sagt P. Max.
Auch diese Sorgen gehören für ihn zu den Themen, die bei der Papstreise nicht aus dem Blick geraten sollten. Seine Hoffnung sei, dass Leo XIV. den Menschen zuhöre, ihre Anliegen aufgreife und damit einen Beitrag dazu leiste, dass die Gesellschaft und die Kirche in Peru wieder stärker zueinanderfänden.
vatican news, 29. Oktober 2026
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