Rom: Gregoriana-Konferenz zum Erbe von Johannes Paul I.
An der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom hat ein internationaler Studienkongress begonnen, der das friedenspolitische und diplomatische Wirken von Papst Johannes Paul I. thematisiert. Die wissenschaftliche Veranstaltung wird von der vatikanischen Stiftung Johannes Paul I. gemeinsam mit der Universität und dem Päpstlichen Komitee für Geschichtswissenschaften ausgerichtet
Quelle
Kardinal Parolin weiht Rehabilitationszentrum „Johannes Paul I.“ in La Romanina ein – Vatican News
Nachrichten und Pressemitteilungen – Päpstliche Gregorianische Universität

Edoardo Giribaldi – Vatikanstadt
Die Konferenz bildet den Auftakt zu einer mehrjährigen Reihe von Symposien, die sich jeweils mit den sechs Leitlinien des Pontifikats befassen, die Johannes Paul I. (Albino Luciani) in seiner ersten Radiobotschaft „Urbi et Orbi“ am 27. August 1978 formulierte.
Friedenssicherung als vielschichtige Aufgabe
Zum Auftakt der Tagung übermittelte Papst Leo XIV. eine Botschaft, die vom vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin verlesen wurde. Darin beschreibt das Oberhaupt der katholischen Kirche die Wahrung des Friedens im Sinne des Augustinus-Begriffs der tranquillitas ordinis als die Achtung der Menschenrechte, die Wahrung der Würde des Einzelnen und die Solidarität unter den Völkern. Der Ausbau der Friedensordnung erfordere das Zusammenwirken auf kirchlicher, sozialer und politischer Ebene sowie ein Handeln, das über rein institutionelle Ansätze hinausgeht und persönliches Engagement einschließt.

Papst Johannes Paul I.
In den Begrüßungsworten hob Stefania Falasca, Vizepräsidentin der Stiftung Johannes Paul I., den historischen Bezug des Tagungsorts hervor: Albino Luciani erwarb an der Gregoriana seine akademischen Grade. Der Rektor der Universität, Mark Andrew Lewis SJ, verwies auf den Grundsatz Pauls VI., wonach Einsatz für Gerechtigkeit eine Voraussetzung für Frieden sei, während Marek Inglot SJ, Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, das Wirken Lucianis in den Kontext eines christlichen Humanismus einordnete. Der Literaturwissenschaftler Carlo Ossola, der zum Ko-Präsidenten des Wissenschaftlichen Komitees der Stiftung ernannt wurde, betonte das in den Quellen formulierte Anliegen einer weltweiten Überwindung von Peripherien.
Historische Fallstudien zur Vatikandiplomatie von 1978
Kardinalstaatssekretär Parolin analysierte in seinem Vortrag die konkreten diplomatischen Initiativen der 34-tägigen Amtszeit Johannes Pauls I. Dabei traten zwei historische Vorgänge in den Mittelpunkt: Der Territorialkonflikt zwischen Chile und Argentinien um die Inseln im Beagle-Kanal, bei dem eine diplomatische Intervention des Heiligen Stuhls zur Vermeidung einer militärischen Eskalation beitrug, sowie die Unterstützung der Verhandlungen von Camp David im September 1978 zwischen den USA, Ägypten und Israel. Parolin hob hervor, dass das Handeln der vatikanischen Diplomatie auf ethischen Prinzipien basierte und Johannes Paul I. in vertraulichem Schriftwechsel mit US-Präsident Jimmy Carter gestanden habe.
In den anschließenden wissenschaftlichen Sektionen behandelte Roberto Morozzo Della Rocca die Haltung der europäischen Kirchen zur Friedensfrage im Zeitraum von 1945 bis 1978. Roberto Regoli analysierte Kontinuitäten und Brüche im Pontifikat Lucianis, darunter die Weiterbeschäftigung von Kardinal Jean Villot als Staatssekretär. Giovanni Vian beleuchtete die Überzeugung Lucianis bezüglich der Dringlichkeit christlichen Engagements bei sozialen und friedenspolitischen Fragen.
Mario del Pero vom Institut d’études politiques (SciencesPo) in Paris bewertete die Abkommen von Camp David als Wendepunkt für das geostrategische Gefüge im Nahen Osten, wenngleich die Palästina-Frage ungelöst blieb. Gennaro Gervasio von der Universität Roma Tre analysierte die Beweggründe der ägyptischen Führung unter Anwar al-Sadat für den Abschluss eines separaten Friedensvertrags. Abschließend untersuchte Massimo De Giuseppe (IULM-Universität Mailand) den Vermittlungsprozess im Beagle-Kanal-Konflikt und bezeichnete das Eingreifen des Heiligen Stuhls als maßgeblichen Faktor zur Verhinderung eines bewaffneten Konflikts in der Subantarktis.
vatican news, 13. Oktober 2026
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