Castel Gandolfo: Wo Päpste sich seit Jahrhunderten wohlfühlen


Castel Gandolfo ist seit 400 Jahren eng mit den Päpsten verbunden. Die Sommerresidenz wurde unter Urban VIII. im 17. Jahrhundert, genauer 1626, eingerichtet. Besonders Alexander VII. prägte den Ort und ließ unter anderem die Kirche San Tommaso da Villanova errichten


Alexander VII: Barocker Papst & Mäzen | Die Tagespost

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Eine besondere Aktualität hat die päpstliche Präsenz in diesem Jahr: Denn heuer nahm Papst Leo XIV. am Samstag, 29. August, erstmals in der Geschichte an der Bootsprozession der „Madonna del Lago“ auf dem Albaner See teil. Gemeinsam mit der Marienstatue fuhr er rund 25 Minuten auf dem See – begleitet von weiteren Booten. Zwar hatten Paul VI. und Johannes Paul II. bereits an der Prozession teilgenommen, aber Leo XIV. war der erste Papst, der dabei tatsächlich den Abschnitt auf dem Wasser zurücklegte.

Bootsprozession mit dem Papst

Bootsprozession mit dem Papst   (@Vatican Media)

Der Ortspfarrer Don Tadeusz Rozmus sieht darin auch ein Zeichen der besonderen Verbundenheit Leos mit Castel Gandolfo und mit der Bevölkerung. Überhaupt habe die jahrhundertelange Präsenz der Päpste eine enge Beziehung zwischen dem Ort und den Nachfolgern Petri entstehen lassen, so der Pole im Gespräch mit den Vatikanmedien. Besonders Johannes XXIII. sei für seine große Nähe zu den Menschen bekannt gewesen, und auch Leo XIV. werde wegen seines persönlichen und menschennahen Umgangs sehr geschätzt.

„Castel Gandolfo hat in dieser Zeit viel erlebt. Er hat viele schöne, positive und auch traurige Situationen konfrontiert, zum Beispiel während des Zweiten Weltkriegs, als Papst Pius XII. die Türen für die Menschen öffnete, die vor dem Krieg  flohen – 12.000 waren es“, so der Pfarrer. Man schrieb das Jahr 1944, als Pius XII. Tausenden Menschen, die vor den Kämpfen geflohen waren, Zuflucht bot; im Apostolischen Palast wurden damals sogar rund 40 Kinder geboren – viele davon den Quellen zufolge im Bett des Papstes, dessen Zimmer zur Krankenstation umfunktioniert worden war.

Der Pfarrer von Castel Gandolfo, Tadeusz Rozmus

Der Pfarrer von Castel Gandolfo, Tadeusz Rozmus

Erholung für Körper und Geist

Neben der Geschichte der Päpste prägt die Natur Castel Gandolfo: Der Albaner See, die Wälder und die Wege an seinem Ufer bieten Erholung für Körper und Geist – auch wenn sich im Lauf der Jahre einige Päpste nicht durchgehend länger dort aufgehalten hatten, darunter nicht nur Papst Franziskus, sondern beispielsweise auch Innozenz X., erinnert Rozmus. Für den Pfarrer ist diese Landschaft zugleich ein Geschenk der Schöpfung, das es zu bewahren gilt.

Die Päpste haben zudem immer wieder zur Entwicklung und Pflege der Region beigetragen. Papst Franziskus setzte diese Tradition mit dem „Borgo Laudato si’“ fort, einer Art Musterdorf, das der integralen Ökologie und der Geschwisterlichkeit gewidmet ist.

Ein Geschenk für die Bewohner

Die örtliche Gemeinschaft hat die Präsenz der Päpste in Castel Gandolfo jedenfalls stark verinnerlicht. Über den Stolz mancher Bewohner darauf, was sie als echtes Privileg empfinden, hinaus ist im Laufe der Zeit eine besondere Zuneigung und der Wunsch gewachsen, den Sinn für Geschwisterlichkeit und gegenseitige Nähe zu stärken.

Das haben die Menschen insbesondere von einigen Päpsten gelernt. So wird etwa von Johannes XXIII. erzählt, dass er die Häuser von Familien betrat, die Deckel von Kochtöpfen hob und in die Küche ging, um sich davon zu überzeugen, ob Hilfe gebraucht wurde und ob die Familie genug zu essen hatte. Er war stets bereit, persönlich Unterstützung zu leisten.

Mehrere Päpste ritten gern: Urban VIII., Clemens XIV., auch der jetzige Papst Leo XIV. ; außerdem waren für viele Nachfolger Petri das Zuhören und die Begegnung mit den Bewohnern und Pilgern ein wichtiger Weg, mit Menschen in Kontakt zu kommen.

„Als die Päpste begannen, hierherzukommen, dachten sie nicht nur an sich selbst. Sie dachten auch an die Menschen vor Ort, deren Zahl mit der zunehmenden Infrastruktur rund um den Ort allmählich wuchs“ – mit einem immer stärkeren Zuzug von Familien und dem Bau zahlreicher neuer Wohnhäuser.

Mit Material von Antonella Palermo

vatican news – cs, 7. September 2026

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