Stans 2026 Weltjugendtag Schweiz
Deutschschweizer Weltjugendtag in Stans: Eine Vision wird Wirklichkeit
Quelle
Stans 2026 | Weltjugendtag Schweiz
weltjugendtag – YouTube
Dilecti Amici (31. März 1985)/Übersetzung
Weltjugendtag (495)
In Stans trafen sich am vergangenen Wochenende über 500 Jugendliche zum Deutschschweizer Weltjugendtag. Er stand unter dem Leitmotiv “Habt Mut, auf Jesus zu setzen” und begeisterte mit einem vielfältigen und gehaltvollen Programm.
Vor 40 Jahren hatte Papst Johannes Paul II. eine Vision. Junge Menschen aus aller Welt sollten sich begegnen, gemeinsam glauben, feiern und entdecken, dass die Kirche lebendig ist. Denn, so der Papst in seinem Schreiben “Dilecti Amici”: “Ihr seid nicht einfach die Zukunft der Kirche. Ihr seid ihr lebendiges Heute.”
Der Appell des Papstes trug reiche Früchte. Im Jahr 1986 fand in Rom der erste als Weltjugendtreffen bezeichnete Anlass statt. Seither finden nicht nur alle zwei bis drei Jahre internationale Weltjugendtage mit jeweils mehr als einer Million Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt, sondern auch regionale Treffen. So über das Wochenende vom 12. bis 14. Juni 2026 in Stans, wo über 500 Jugendliche am Deutschschweizer Weltjugendtag teilnahmen. Das Leitmotiv lautete: “Habt Mut, auf Jesus zu setzen”.
Das Programm war vielversprechend und – dies sei vorweggenommen – hielt, was es versprach. Die Bandbreite reichte von Gottesdienstfeiern und geistlichen Impulsen über Workshops zu aktuellen Themen bis zum Marktplatz, wo zahlreiche christliche Organisationen und Gemeinschaften über ihre Tätigkeiten informierten. Präsent waren die Priesterbruderschaft St. Petrus, die Schönstatt Marienschwestern, das Missionswerk Bless und der Klosterladen Oremus, um nur einige Namen zu nennen.
Und was an diesem Anlass auch nicht fehlen durfte: eine Bühne für die pop-affine Jugend. Dort hämmerte der Schweizer Rapper Laprit seine vom Rock-Sound gepushte Vita mit ihren Höhen und Tiefen ins jugendliche Publikum.
Workshops als Highlights
Zu den Höhepunkten des Weltjugendtages gehörten die Workshops. Interessierte konnten aus 28 Themen auswählen, so unter anderem: “Was macht dich wirklich glücklich?”; “Sexualität nach Gottes Plan”; “Verliebt, verlobt, vorbereitet – das Abenteuer Ehe”; “Gott alles schenken – das geweihte Leben heute”. Auf besonderen Anklang stiess das Thema “Massive Zunahme psychischer Erkrankungen Jugendlicher – Ursachen?” Der Kurs musste infolge grosser Nachfrage doppelt geführt werden. Hintergrund des Kurses ist die Tatsache, dass die Zahl der IV-Renten für psychisch erkrankte Jugendliche dramatisch zugenommen hat. Wurden 2023 insgesamt 17 600 Neu-Renten zugesprochen, waren es 2024 bereits 22 800. Als primäre Ursachen gelten zerrüttete Familienverhältnisse, die wiederum einem exzessiven Drogenkonsum (vor allem Cannabis) Vorschub leisten. Hinzu kommt die ebenso exzessive Nutzung der sozialen Medien mit ihrem enormen Konformitätsdruck, dem gerade Jugendliche ausgesetzt sind.
Margrit Schenker und Andrea Betz von der Menschenrechtsorganisation Human Life International (HLI) zeigten anhand konkreter Beispiele auf, worin die psychischen Grundbedürfnisse bestehen und welche Folgen ihre Missachtung haben kann. Fallbeispiele ermöglichten es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, sich aktiv in die Ursachenforschung einzubringen.
Der zweite Teil galt der Antwort, welche die Kirche gestützt auf das christliche Menschenbild anbietet, um aus existentiellen Krisen herauszufinden (der Mensch als von Gott geschaffenes Ebenbild [Gen 1,31]; ist jemand in Christus, so ist er ein neues Geschöpf [2 Kor 5,17]). Die Begegnung mit Christus in der Feier der Eucharistie und die Befreiung von Schuld im Sakrament der Beichte sind dabei zentrale Eckpfeiler, damit ein sinnstiftender und lebensbejahender Neubeginn gelingen kann.
Die Umarmung Gottes
Für die drei spirituellen Impulse konnte Ivan Šarić gewonnen werden. Er ist am 25. März 2023 in der Kathedrale St. Gallen zum Priester geweiht worden. Im Rahmen der Vigilfeier vom Samstagabend widmete er seine frei vorgetragenen Betrachtungen dem Thema “Beichte”. Gleich zu Beginn bekannte er, dass auch ihm der Gang zur Beichte nicht immer leicht falle (“Es gibt Schöneres”). Es braucht Mut, über seinen sprichwörtlichen eigenen Schatten zu springen. Ivan Šarić gratuliert deshalb jeder Person, die bei ihm beichtet. Denn damit beweist sie, den Kampf mit sich selbst gewonnen zu haben. Er vergleicht den Gang zum Beichtvater mit dem Gang zum Arzt. Auch ihm müssen wir unsere Verwundungen und Verletzungen offen zeigen, damit Heilung gelingt. Dabei gilt: Es gibt keine Sünde, die zu gross ist, als dass sie Gott nicht vergeben könnte. Selbst die Heiligen haben regelmässig gebeichtet. Beichte heisst, so der Priester Ivan Šarić, sich selbst mit den Augen Gottes zu sehen. Und Gottes Blick besagt: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. Gott misst mit eigenen Massstäben, die nicht die unseren sind. Ivan Šarić erinnert an das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der Vater tadelt das ausschweifende Leben seines aus der Fremde zurückgekehrten Sohnes nicht, feiert mit ihm gar ein Fest, und dieser Sohn nimmt die Liebe seines Vaters an. Der andere, daheim gebliebene Sohn hat dagegen ein Problem mit der Grosszügigkeit seines Vaters. Auch heute haben manche, die sich auf der sicheren Seite wähnen, ein Problem mit der Grosszügigkeit Gottes.
Priester Ivan Šarić fordert die ihm gespannt zuhörenden Jugendlichen auf: Werft in der Beichte eure Last ab, die ganze Last, nehmt nicht einen Teil von ihr wieder nach Hause mit. Und er schliesst seinen letzten Impuls mit den Worten: “Die Beichte ist das Sakrament der Umarmung Gottes – lasst euch heute Abend von Gott umarmen.”
Den beiden Messfeiern des Weltjugendtages standen Diözesanbischof Joseph Maria Bonnemain und Jugendbischof Alain de Raemy vor. Letzterer nahm in seiner Homilie Bezug auf das Evangelium, in dem berichtet wird, wie Josef und Maria zusammen mit dem 12-jährigen Jesus nach Jerusalem pilgerten und ihn dabei aus den Augen verloren. Auf die vorwurfsvolle Frage von Maria: “Kind, warum hast du uns das angetan?”, antwortete Jesus: “Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?” An die Jugendlichen gerichtet sagte Bischof de Raemy: Wenn auch ihr manchmal das Gefühl habt, dass Jesus euch Unrecht tut, weil er euch keine Antworten gibt oder seine Gegenwart nicht spüren lässt, denkt an Maria. Geht mit Maria und setzt wie sie eure Hoffnung und euren Mut auf Jesus.”


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