“Tut dies zu meinem Gedächtnis!”

Diese Anwei­sung ent­neh­men wir dem 1. Korin­ther­brief. Sie fin­det sich ebenso im Ein­set­zungs­be­richt beim Evan­ge­lis­ten Lukas. Ohne diese Anwei­sung des Herrn gäbe es heute am Hohen Don­ners­tag nichts zu fei­ern und unsere Werk­tags– und Sonn­tags­got­tes­dienste wären reine Wortgottesdienste

Quelle
1. Korintherbrief

Ohne Zweifel − es würde etwas fehlen − nicht irgendetwas, sondern die hl. Messe, die Eucharistie, “die Quelle und der Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens”, wie das II. Vatikanische Konzil formuliert hat. Inzwischen gibt es Tendenzen, z.B. in einer Gemeinschaft von Ordensfrauen, bewusst auf die hl. Eucharistie zu verzichten, oder in manchen Pfarreien, werden trotz verfügbarer Priester an einzelnen Sonntagen die Eucharistiefeiern durch Wortgottesdienste ersetzt. Eine Pfarrei derart auf eucharistischen Zwangsentzug zu setzen, ist etwa so unsinnig, wie einem Maurer den Ratschlag zu geben, einmal auf das Essen zu verzichten und zu schauen, wie es ihm danach bei der Arbeit ergeht. Ganz prägnant hat der heilige Pater Pio sich ausgedrückt: “Viel eher könnte die Welt ohne Sonne bestehen als ohne heilige Messe.” Wir haben somit allen Grund, heute, wie immer am Hohen Donnerstag, die Einsetzung dieses Sakramentes beim letzten Abendmahl durch Christus zu feiern.

Grund zum Feiern haben allerdings nur jene, die auch wirklich glauben, dass Christus dieses Sakrament eingesetzt hat und auf dem Altar durch den Priester wahrhaftig Wein und Brot in Leib und Blut Christi gewandelt werden. Ein Zweifler würde vielleicht fragen: Hat das Jesus wirklich gesagt? Tut dies zu meinem Gedächtnis? Und ein Bibelkenner würde noch hinzufügen, dass die Evangelisten Matthäus (Mt 26, 20-29) und Markus (Mk 14, 17-25) zwar über das letzte Abendmahl berichten, doch die Anweisung “Tut dies zu meinem Gedächtnis” fehlt bei ihnen. Nur das Lukasevangelium und der 1. Korintherbrief enthalten diese Anweisung. Also, würde der Zweifler bohrend weiterfragen, hat Jesus das gesagt oder nicht? Welcher Evangelist hat recht?

Um die Frage beantworten zu können, müssen wir radikal vorgehen. Erschrecken Sie nicht, liebe Brüder und Schwestern! Nehmen wir einmal an, Christus hätte nicht gesagt “Tut dies zu meinem Gedächtnis”, keine Anweisung gegeben − gar nichts. Dann müsste erklärt werden, weshalb wir seit bald 2000 Jahren die hl. Eucharistie in dem Sinne feiern, dass auf dem Altar Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden. Am letzten Abendmahl als historischem Ereignis wird niemand zweifeln können, ohne das Neue Testament in Frage zu stellen. Alle vier Evangelisten berichten mehr oder weniger ausführlich davon, und der 1. Korintherbrief ist wahrscheinlich die älteste schriftliche Überlieferung. Er wurde wohl schon um 55 n. Chr. abgefasst.

Hätte Jesus keine Anweisung gegeben, so hätte sich einer der Jünger, der beim letzten Abendmahl dabei gewesen war, anmassen müssen, das Brot zu brechen, und zwar in dem Sinn, dass es der Leib Christi wird; die Worte über den Wein zu sprechen, in dem Sinn, dass er zum Blut Christi wird. Selbstverständlich hätten die anderen Jünger, die beim letzten Abendmahl dabei gewesen waren, interveniert und ihm gesagt: Was fällt Dir eigentlich ein, was tust du da? Er wäre zweifellos für diesen Missbrauch des letzten Abendmahles gerügt worden. Es ist deshalb undenkbar, dass sich unter solchen missbräuchlichen Bedingungen die Feier des Herrenmahles über so viele Jahrhunderte hätte verbreiten können. Wie die hl. Eucharistie gefeiert wird, ist uns in der Didaché, auch genannt Zwölfapostellehre, überliefert. Nach den neuesten Forschungsergebnissen stammt diese Schrift aus dem 1. Jahrhundert!

Wir sehen, dass uns die Annahme, Jesus habe keinen Auftrag der Art “Tut dies zu meinem Gedächtnis” gegeben, in einen Argumentationsnotstand bringt. Deshalb ist nach den Gesetzen der Logik das Gegenteil dieser Annahme richtig: Christus muss einen Auftrag gegeben haben − anders ist die Feier der hl. Eucharistie bis heute unvorstellbar. Der Auftrag zur Feier der Eucharistie muss sogar so selbstverständlich gewesen sein, dass die Evangelisten Matthäus und Markus ihn nicht eigens erwähnten.

Beachtenswert ist auch, was wir in der Apostelgeschichte unmittelbar nach dem Pfingstereignis über das Leben der jungen Gemeinde nachlesen können: “Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens” (vgl. Apg 2, 46). Damit ist auch gesichert, dass die Eucharistie, das Herrenmahl von Anfang an in der urchristlichen Gemeinde gefeiert wurde. Nicht nur Sonntag für Sonntag − sondern Tag für Tag!

“Tut dies zu meinem Gedächtnis.” Dieser Auftrag des Herrn galt den Aposteln, die ihn weitergaben. Bei der Priesterweihe übergibt der Bischof den neugeweihten Priestern Kelch und Hostienschale mit den Worten: “Nimm hin die Gaben des Volkes für die Feier des Opfers. Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes.” Der Hohe Donnerstag ist damit besonders auch der Tag der Priester, weil sie an diesem Tag daran denken, welch wunderbare Vollmacht ihnen mit der Priesterweihe gegeben wurde. Es ist aber auch der Tag der Gläubigen, da sie in jeder hl. Messe bei der Feier des hl. Opfers teilnehmen, allein dadurch schon Anteil am Geheimnis des Kreuzes haben. Zudem empfangen Sie den Leib Christi und erhalten dadurch die innigste Gemeinschaft mit Christus. Deshalb: Bedenke, was Du empfängst, bedenke, mit wem Du dadurch in Gemeinschaft trittst, bedenke, dass Du all das Jesus, dem Sohn Gottes verdankst, der zu den Aposteln gesagt hat: “Tut dies zu meinem Gedächtnis.”

Roland Graf
swiss-cath.ch

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Dr. Roland Graf ist Pfarrer in Unteriberg und Studen (SZ). Er hat an der Universität Augsburg in Moraltheologie promoviert und war vor seinem Theologiestudium als Chemiker HTL tätig.

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