Ungebrochener Anstieg der Katechumenen-Taufen in Frankreich

21 386 Katechu­me­nen wer­den in Frank­reich an Ostern getauft. Dies ent­spricht einem Anstieg von 28 Pro­zent bei den Erwach­se­nen und von 10 Pro­zent bei den Jugend­li­chen gegen­über 2025

Quelle
Olivier de Germay – Wikipedia

“Auch wenn man schon seit langem ahnte, dass es unserer Konsumgesellschaft schwerfällt – um nicht zu sagen unmöglich ist –, den tiefsten Sehnsüchten des Menschen gerecht zu werden, ist man dennoch überrascht von der plötzlich aufkommenden und weitreichenden Sehnsucht nach Gott, die sich heute äussert”, so Olivier de Germay, Erzbischof von Lyon und Verantwortlicher für das Katechumenat innerhalb der Französischen Bischofskonferenz, zu den aktuellen Zahlen.

Dieses Jahr werden in Frankreich in der Osternacht mehr als 13 000 Erwachsene getauft. Damit hält der seit mehreren Jahren zu beobachtende Anstieg an Erwachsenentaufen an. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt die Zunahme 28 Prozent. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Taufen mehr als verdreifacht: 4124 Taufen im Jahr 2016 auf 13 234 Taufen im Jahr 2026.

Anzahl der Katechumenen ohne religiösen Hintergrund steigt

Die stärkste Gruppe unter den Katechumenen sind die 18- bis 25-Jährigen (42 Prozent), dicht gefolgt von den 26- bis 40-Jährigen (40 Prozent). Die 41- bis 65-Jährigen haben einen Anteil von 17 Prozent, die über 65-Jährigen noch 1 Prozent. Der Frauenanteil beträgt 62 Prozent.

Blickt man auf den beruflichen Hintergrund, ist dieser mit dem Vorjahr vergleichbar, wobei der Anteil der Studierenden bei 25 Prozent bleibt. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass über zwei Drittel der Katechumenen in städtischen Gebieten wohnen.

Ebenso interessant ist der Befund, dass die Zahl der Katechumenen, die angeben, keiner religiösen Tradition anzugehören oder keine bekannte religiöse Tradition zu haben, sich dieses Jahr der Zahl jener Katechumenen angleicht, die in einer christlichen religiösen Tradition beheimatet sind.

“Ich habe Jesus durch die Kunst entdeckt, für die ich mich schon seit meiner Kindheit interessiere. Da ich aus einem atheistischen Umfeld stamme, habe ich in meiner Jugend die Bibel gelesen, um zu erfahren, wer diese Figuren waren, die ich in Kathedralen und Gemälden entdeckte.”

Alle Diözesen erleben dieses Jahr eine Zunahme an Taufbewerbern; die Diözese von Poitiers sowie die “Militärdiözese” von über 50 Prozent, die Diözesen Bordeaux, Lille und Reims von über 30 Prozent.

Verlangsamung des Anstiegs bei den Jugendlichen

Bei den jugendlichen Katechumenen (12 bis 17 Jahre) beträgt der Anstieg rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr: 8100 Jugendliche werden dieses Jahr getauft. Dabei ist eine Verlangsamung des Anstiegs zu beobachten. Es sei jedoch schwierig, die Taufen von Jugendlichen vollständig zu erfassen, da nicht in allen Diözesen eine entsprechende Stelle vorhanden ist; es liegen die Daten von 89 Diözesen vor (90 Prozent).

Auch bei den Jugendlichen sind es mehrheitlich Frauen (65 Prozent), die um die Taufe bitten. Die Vorbereitung auf das Sakrament erfolgt nach dem Ritus der christlichen Initiation von Erwachsenen. Die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen wird während der Osternachtfeier gemeinsam mit den Erwachsenen oder am Ostermorgen getauft und feiert gleichzeitig Erstkommunion. Die Firmung hingegen empfangen manche von ihnen zu einem späteren Zeitpunkt, das heisst zusammen mit ihren (bereits getauften) Schulkollegen.

Einfluss von sozialen Medien gering

Zwischen Januar und März 2026 wurde eine Umfrage unter 1450 Katechumenen aus 60 Diözesen durchgeführt. Es zeigte sich, dass sich die Mehrheit von ihnen (40 Prozent) für die Taufe entschieden haben, nachdem eine Krankheit, der Tod eines Nahstehenden oder eine schwierige Lebenssituation eine Suche nach Sinn ausgelöst hat. Ein Drittel befasste sich aus eigenem Antrieb mit dem christlichen Glauben, ein weiterer Drittel hatte eine intensive spirituelle Erfahrung gemacht. Der Einfluss der Sozialen Medien ist – im Gegensatz zum Beispiel zu England – mit 11 Prozent gering.

“Während des Lockdowns habe ich bei meinen Eltern Bibeln und Rosenkränze entdeckt, die meinen Grossmüttern gehört hatten. Ich wollte mehr darüber erfahren.”

Neue Initiativen

Die französischen Bischöfe freuen sich über diese Zahlen, doch die grosse Herausforderung für die Kirche bestehe darin, sie langfristig zu begleiten, damit sie zu Jüngerinnen und Jüngern und somit zu vollwertigen Mitgliedern der Pfarrgemeinden werden können, so Erzbischof Olivier de Germay. Bereits letztes Jahr entstanden zahlreiche Initiativen, um die Taufbewerber besser zu begleiten; dieses Jahr werden die Diözesen der Île-de-France sogar ein regionales Konzil zu diesem Thema durchführen. Der Erzbischof sieht aber auch einen positiven “Bumerang-Effekt”. Die vielen Taufbewerber und ihre Begleitung sei für viele “alte Hasen des christlichen Lebens” eine Gelegenheit, ihren Glauben neu zu überdenken und sich wieder bewusst zu machen, wie Gott in ein Leben einbrechen und es auf den Kopf stellen kann. “Denn genau das ist das Zeichen, das uns heute gegeben wird: Die Wege des Menschen und Gottes sind dazu bestimmt, sich zu kreuzen.”

Auch die Westschweiz erlebt seit 2021 einen deutlichen Anstieg der Zahl der Katechumenen, wobei der Anstieg bei den 16- bis 25-Jährigen besonders ausgeprägt ist. Gemäss Webseite des Bistums Sitten bereiten sich in der Westschweiz 627 Erwachsene und Jugendliche (ab 16 Jahren) auf die Taufe vor, im Jahr 2022 waren es noch 132.

Nachtrag am 30. März 2026: Im Bistum Sitten waren es im Jahr 2022 22 Katechumenen, dieses Jahr sind es 86. Waren es 2022 gerade einmal 2 Katechumenen zwischen 16 und 25 Jahren, sind es im Jahr 2026 23 Katechumenen.

Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

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Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.

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