Ehe und Familie in der heutigen Zeit

Bischof Varden verfasst schonungslose Analyse zu Ehe und Familie in der heutigen Zeit

Quelle
Bischof: Familie als grundlegende gesellschaftliche Einheit zerfällt
Norwegischer Bischof Erik Varden über „Laetitiae amor“ und „Amoris laetitia“
Erik Varden

Von CNA Deutsch Nachrichtenredaktion

Redaktion – Mittwoch, 21. Oktober 2026

Bischof Erik Varden OCSO aus Norwegen hat eine schonungslose Analyse zu Ehe und Familie in der heutigen Zeit verfasst. Gleichzeitig sprach der Trappist einige Punkte an, um die Lage zu verbessern.

„Das Familienleben steht heute aus vielerlei Gründen unter Druck – aus soziologischen, finanziellen und kulturellen“, schrieb Varden in einem von Communio in deutscher Übersetzung veröffentlichten Beitrag. „Der anhaltendste Druck liegt jedoch tiefer. In bemerkenswert kurzer Zeit haben wir unser gemeinsames Verständnis dessen verloren, was Menschsein bedeutet. Außerhalb bestimmter Interessensgruppen ist es heute schwer, eine gemeinsame Sprache zu finden, um zu beschreiben, was ein Mensch ist. Wir sind uns nicht mehr einig darüber, was eine Frau, einen Mann oder ein Kind ausmacht.“

Die Familie könne unter den Bedingungen der heutigen Zeit „als grundlegende Einheit der menschlichen Gesellschaft nur zerfallen“, so der Bischof. „Es scheint nicht länger selbstverständlich, dass Familien stabile Verbände auf Basis einer lebenslangen Bindung zwischen einer Frau und einem Mann sein sollten, die darauf hoffen, Kinder zu zeugen.“

„Der Glaube an Gott als den wohlwollenden Schöpfer ist weitgehend verloren gegangen“, fuhr Varden fort. „Wir glauben nicht mehr, dass wir ins Dasein ‚gewollt‘ wurden. Wie sollen wir da unser eigenes Leben weiterhin als Geschenk betrachten, das wir wiederum einander schenken, ja, weihen können? Die unsrige ist eine Zeit der Entweihung, die der buchstäblichen Hoffnungslosigkeit erwächst – daraus, dass sogar die bloße Möglichkeit von Hoffnung ausgeschlossen wird.“

Nichtsdestotrotz gebe es eine Gegenbewegung: „Ich begegne vielen jungen und auch nicht mehr so jungen Menschen, die das Kurzlebige satthaben. Sie weigern sich, die ‚Hoffnung‘ aufzugeben. Sie wagen den Gedanken, dass es so etwas wie ‚Wahrheit‘ geben könnte, auf der sie ihr Leben aufbauen können. Indem wir solche Menschen stärken und unterstützen und ihnen beim Aufblühen helfen, können wir eine Erneuerung der Familienkultur zustande bringen.“

„Viele junge Menschen lassen sich keineswegs von hypersexualisierten Ersatzformen von Beziehungen verführen, sondern sind ihrer überdrüssig“, schrieb Varden später. „Sie suchen Freundschaft und beständige Liebe. Ich behaupte nicht, dass sie die Mehrheit repräsentieren. Aber es sind genug, um einen Trend festzustellen. Wenn wir jungen Menschen helfen wollen, den Wert der Ehe zu erkennen, müssen wir in diese Suchbewegung hineinsprechen.“

Die Schwierigkeiten in Ehe und Familie, die einfach dazugehören, ordnete der Trappist mit den Worten ein: „Auf die Frage ‚Wollt ihr einander lieben und achten und die Kinder, die Gott euch schenken will, in Liebe annehmen?‘ mit Ja zu antworten, bedeutet, am Kreuz Anteil zu nehmen. Jede eheliche und elterliche Liebe ist mit Leid verbunden. Sie wird das Herz durchbohren. Sie wird verlangen, dass man das eigene Leben hingibt, damit andere leben können.“

„Diese Wirklichkeit von Anfang an bewusst anzunehmen und dieser Teilhabe am lebensspendenden Kreuz Christi zuzustimmen, wird Eheleuten Kraft verleihen, ihre Lasten zu tragen, sodass selbst Schweres leicht erscheinen kann“, erklärte er. „Die horizontale Beziehung zwischen Ehemann und Ehefrau, zwischen Eltern und Kindern, wird von einer festen, verlässlichen vertikalen Achse getragen.“

Als Mönch machte Varden einige Anmerkungen zur Beziehung zwischen dem monastischen Leben und dem Leben in Ehe und Familie. Beide „setzen einander voraus und spiegeln einander wider. Ich glaube und stelle fest, dass Familien durch die überlieferte Weisheit und Erfahrung des monastischen Lebens Unterstützung erfahren können.“

„Mönche und Nonnen leben nach einer Regel, die den Bund des gemeinsamen Lebens festschreibt und dessen Zweck und Ziel ausdrücklich benennt“, führte er aus. „Wenn die Ehegatten sich über das Ziel ihrer Verbindung verständigen, werden sie Hindernisse besser bewältigen können, als wenn sie ihren Bund nicht als Aufgabe formuliert haben. Das gilt besonders dann, wenn dieses gemeinsame Ziel transzendenter Natur ist. Dann werden sie Gott in sich wirken lassen. Sie werden Schwierigkeiten als Gelegenheiten zur Umkehr verstehen, als Anlässe, aus der muffigen Zelle des eigenen Ichs herauszutreten.“

Schließlich forderte Varden „ein Zeugnis der Fruchtbarkeit“ von Familien: „Die katholische Familienpastoral muss sich heute darauf konzentrieren, es Familien zu ermöglichen, Ja zu Kindern zu sagen. Dafür braucht es konkrete Maßnahmen: erschwinglichen Wohnraum, Kinderbetreuung und Schulen – diese Mission hat einen politischen Aspekt. Vor allem aber geht es um die Umkehr der Herzen. Eine fruchtbare Familie gründen zu wollen, ist heute ein Gegenentwurf zur vorherrschenden Kultur – ungefähr so, als hätte man in den aufgeladenen 1970er-Jahren ein Punk sein wollen. Die Kirche ist dazu berufen, diese gesunde Revolution zu unterstützen und junge Menschen in die Lage zu versetzen, sich für das Leben zu entscheiden und sich ihm verbindlich zu widmen.“

Erhalten Sie Top-Nachrichten von CNA Deutsch direkt via WhatsApp und Telegram.

Schluss mit der Suche nach katholischen Nachrichten – Hier kommen sie zu Ihnen.

WhatsApp Telegram

Tags:

Familie
Katholische Nachrichten
Bischof Erik Varden OCSO
Ehe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Vatikan.va

Archiv

Empfehlung