D: Abt sieht Zukunft in kleineren Gemeinschaften
Der Abt des Benediktinerklosters Gerleve im Münsterland, Andreas Werner, sieht in kleineren Ordensgemeinschaften eine Chance für die Zukunft des klösterlichen Lebens. Statt großer Konvente hält er Gruppen von etwa zwölf Mönchen für sinnvoll. Zugleich spricht er sich für eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Liturgie und eine zeitgemäßere Präsenz in den sozialen Medien aus
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Die Zukunft des klösterlichen Lebens liegt nach Ansicht von Abt Andreas Werner in kleineren Gemeinschaften. Der Leiter des Benediktinerklosters Gerleve im westlichen Münsterland geht davon aus, dass die Zeit großer Ordenskonvente zu Ende geht. Darin sieht der 75-Jährige jedoch nicht nur einen Verlust, sondern auch neue Möglichkeiten für das Zusammenleben der Mönche. „Ich glaube, dass die Zeit der großen Konvente vorbei ist – und ich halte das für keine schlechte Entwicklung“, erklärt Werner in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit dem Internetportal „Kirche und Leben“.
Kleinere Gemeinschaften als Chance
Nach Ansicht des Abtes könnten Gemeinschaften mit etwa zwölf Mönchen künftig eine wichtige Rolle spielen. Kleinere Gruppen ermöglichten einen engeren Austausch und ein intensiveres gemeinschaftliches Leben. Schon bei einer Gemeinschaft von 30 Mönchen würden die Grenzen der Kommunikation deutlich, erklärt Werner.
Den Rückgang der Mitgliederzahlen betrachtet der Abt auch aus einer geistlichen Perspektive. „Was ist die Pädagogik Gottes, dass er die Kirche und die Klöster so schrumpfen lässt? Was will er uns damit sagen?“, fragt er. Möglicherweise liege gerade in kleineren Gemeinschaften eine besondere Chance. Rückblickend hält Werner es deshalb für denkbar, dass manche Angebote zur Gründung weiterer Klöster hätten angenommen werden sollen.
Die Nachwuchssorgen beschäftigen den Abt nach eigenen Angaben weniger stark, als man vermuten könnte. Entscheidend sei für ihn vielmehr, wie glaubwürdig die Gemeinschaft ihren Glauben an Jesus Christus lebe. Das klösterliche Leben solle Menschen dazu anregen, über ihren eigenen Glauben und ihre Lebensgestaltung nachzudenken. Ob sich jemand daraufhin für einen Klostereintritt entscheide oder Christus im Berufs- und Familienleben nachfolge, sei für ihn gleichermaßen wertvoll.
Liturgie und soziale Medien auf dem Prüfstand
Trotz sinkender Mitgliederzahlen rechnet Werner nicht mit einem baldigen Ende des 1899 gegründeten Klosters Gerleve, das er seit 2020 leitet. Er beobachtet vielmehr, dass sich Menschen in verschiedenen Ländern wieder intensiver mit grundlegenden Lebensfragen beschäftigen. Dies gelte etwa für Frankreich, die Niederlande und die Vereinigten Staaten, aber auch für Deutschland.
Gleichzeitig sieht der Abt Veränderungsbedarf im eigenen Kloster. So stellt er die Frage, ob die Liturgie möglicherweise zu stark vom Verstand geprägt sei und mehr Emotionalität benötige. Zwar schätzten sowohl Gäste als auch Mönche die Nüchternheit des benediktinischen Lebens, diese dürfe jedoch nicht zu einer bloßen Gewohnheit werden. Auch eine zeitgemäßere und persönlichere Präsenz in den sozialen Medien ist für Werner ein wichtiges Thema. Das Kloster sei dankbar für entsprechende Anregungen von außen. Veränderungen müssten jedoch sorgfältig geprüft werden. Entscheidend sei, ob sie dazu beitrügen, das Evangelium glaubwürdiger zu leben, oder lediglich dem Wunsch entsprängen, moderner zu erscheinen.
Notwendige Reformen dürften nach Auffassung des Abtes nicht aufgeschoben werden. „Veränderungen, die sich so als notwendig und als Gotteszeichen erweisen, die müssten dann auch entschlossen und mutig angegangen werden“, betont Werner.
kap – vo, 14. Oktober 2026
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