Papst Leo XIV.: Kein Bischof geht seinen Weg allein
Papst Leo XIV. hat die Bischöfe zu einem Dienst der Nähe, des Zuhörens und der pastoralen Liebe aufgerufen. „Unsere Verkündigung ist ein Akt der Liebe, ebenso wie das Zuhören, das Gebet, die Unterscheidung, die den Menschen geschenkte Zeit und die Präsenz“, sagte der Papst am Donnerstag zum Abschluss eines Ausbildungskurses für neu ernannte Bischöfe. Sie müssten ein Herz haben, das „für alle offen“ ist
Quelle
Weihbischof Pottackal: Papst Leo ist interessiert an Deutschland – Vatican News
„Der Bischof kann nur lehren, wenn er auch bereit ist zu lernen“ – Vatican News
Vatikan-Kurs für Neu-Bischöfe zum Thema Rassismus: Bischof für alle sein – Vatican News

Christine Seuss – Vatikanstadt
Darunter zählte der Papst auch Christen anderer Konfessionen, Gläubige anderer Religionen und Menschen, die dem Glauben ferner stehen. „Alle müssen einen Platz im Herzen des Bischofs finden, denn sie haben schon einen Platz im Herzen von Christus“, so Leo XIV. an die Adresse der rund 150 Bischöfe aus aller Welt, die im Lauf des Jahres neu ernannt worden waren und in diesen Tagen am Kurs für neue Bischöfe im Vatikan teilgenommen hatten. Die Papstaudienz in der Synodenaula bildete den Abschluss der Einheiten.
Die neuen Bischöfe hätten während dieser Tage gemeinsam gehört, gebetet, Eucharistie gefeiert und ihre Hoffnungen und Träume geteilt. „All das wird euch dabei helfen, eine sehr einfache und wertvolle Sache zu erinnern: kein Bischof geht allein“, so der Papst.
Leo erinnerte die neuen Oberhirten bei der Begegnung daran, dass sie zunächst Jünger seien. Unter den vielen Aufgaben, die auf sie warteten, sei eine die wichtigste: „bei Jesus zu bleiben“. Wer von Christus sprechen wolle, müsse bei ihm sein; wer sein Volk führen wolle, müsse sich selbst täglich von Christus führen lassen. „Das ist der Auftrag des Evangeliums: bei ihm zu bleiben und von ihm ausgesandt zu werden“, sagte der Papst. Eucharistie, Wort Gottes und Gebet müssten deshalb einen festen Platz im Leben eines Bischofs haben.
„Alle müssen einen Platz im Herzen des Bischofs finden, denn sie haben schon einen Platz im Herzen von Christus“
Nähe zu Christus und Nähe zu den Menschen
Aus der Nähe zu Christus müsse die Nähe zu den Menschen erwachsen, betonte Leo. Die Bischöfe sollten „die Menschen lieben, die der Herr euch anvertraut hat“, ihre Namen lernen, ihre Geschichten hören und, wo möglich, in ihre Häuser gehen und mit ihnen beten. Gerade in jungen Kirchen könne schon die bloße Präsenz eines Bischofs viel aussagen, noch bevor er Worte finde. „Eine Begegnung, ein Segen, die Zeit, die man einem Priester schenkt, das Zuhören einer Familie, der Dialog mit einem Jugendlichen“ – solche scheinbar kleinen Gesten könnten „in der Seele eines Menschen ein ganzes Leben lang“ bleiben.
„Nähe ist einer der Wesenszüge Gottes in Bezug auf sein Volk“
Leo erinnerte in diesem Zusammenhang auch an einen Gedanken von Papst Franziskus: „Nähe ist einer der Wesenszüge Gottes in Bezug auf sein Volk.“ Die Bischöfe seien dazu berufen, diese Nähe spürbar zu machen. Das gelte besonders für die Priester, denen sie als Vater und Bruder zur Seite stehen sollten. Auch ältere und kranke Priester sollten spüren, dass sie wertvoll seien und von der Kirche nicht vergessen würden. Der Bischofsdienst sei ein „Dienst der Liebe“ – ein „amoris officium“, wie es der heilige Augustinus genannt habe. „Es ist die pastorale Liebe, die es Christus, dem Hirten, ermöglicht, durch unsere arme Person zu dem Volk zu gelangen, das er liebt.“
Verantwortung auch mit Blick auf KI
Eine besondere Verantwortung sieht Leo XIV. für die Bischöfe auch angesichts der rasanten technologischen Entwicklung. Künstliche Intelligenz eröffne Möglichkeiten, die noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen seien.
„Wir leben in einer Zeit rascher Veränderungen, der technologischen Entwicklung und der Künstlichen Intelligenz. All dies kann die Menschheit nicht von der Sünde befreien, wie die Krisen, die sie derzeit durchlebt, auf tragische Weise zeigen.“ In einem komplexen und beunruhigenden Umfeld wie dem heutigen sei die Kirche vielmehr gesandt, allen das Evangelium des Heils zu verkünden, so Leo XIV., der mit seiner Enzyklika „Magnifica humanitas“ insbesondere den Hirten der Kirche „eine Vision und eine Methode“ an die Hand habe geben wollen, um die Herausforderung der Bewahrung des Menschlichen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz anzugehen.
Wege der Reflexion und des Dialogs fördern
Die neuen Bischöfe ermutigte er deshalb ausdrücklich, „in euren Diözesen Wege der Reflexion und des Dialogs zu fördern“, um Menschen auszubilden und zu unterstützen, die sich „in den Dienst der Zivilisation der Liebe“ stellen wollten. Damit verband Leo die technologische Frage unmittelbar mit dem kirchlichen Auftrag, den Menschen und seine Würde im Blick zu behalten.
„Missionarisches Herz bewahren“
Viele der neuen Bischöfe kommen aus jungen Kirchen. Gerade ihnen legte der Papst ans Herz, „ein missionarisches Herz zu bewahren“. Ein missionarischer Bischof müsse für alle offen sein: für Christen anderer Konfessionen, für Angehörige anderer Religionen ebenso wie für Menschen ohne religiöses Bekenntnis und für alle Menschen guten Willens. Er müsse zuhören, respektieren, Nähe zeigen und das Gute erkennen können, das im Herzen jedes Menschen vorhanden sei.
„Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ“
Zum Abschluss griff Leo erneut ein Wort des heiligen Augustinus auf: „Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ.“ Die Bischöfe sollten mit ihrem Volk unterwegs sein, mit ihm beten, gemeinsam auf das Wort Gottes hören und Eucharistie feiern. „Suchen wir gemeinsam jeden Tag das Antlitz des Herrn“, sagte der Papst. Eingangs hatte er zu einem Gebet für den jüngst verstorbenen Vater des Pro-Präfekten des Dikasteriums für die Evangelisierung, Kardinal Luis Antonio Tagle, eingeladen.
vatican news, 10. September 2026
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