Papst an Frankreichs Jugend: „Für uns ist Christus das Leben!“

Mit einer feierlichen nächtlichen Gebetsvigil im Stade de France ist der erste Tag des Staatsbesuchs von Papst Leo in Frankreich ausgeklungen. Rund 80.000 junge Menschen im Alter zwischen 17 und 35 Jahren hatten sich zu der Feier angemeldet, bei der der Papst jungen Menschen zu den großen Fragen ihrer Generation Rede und Antwort stand

Quelle

Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt

Bei der Jugendvigil mit Leo XIV. im Stade de France bei Paris ging es um Fragen, die in unserer schnelllebigen und leistungsorientierten Welt viele junge Menschen umtreiben. Die Antwort von Papst Leo war ein Aufruf zu Geschwisterlichkeit, Verantwortung und Gottvertrauen.

Zwei junge Franzosen konnten dem hohen Gast aus Rom dabei stellvertretend für ihre Altersgenossen Fragen stellen. Chloé, eine junge Pharmaziestudentin aus der Île-de-France, sprach über die Herausforderung, den christlichen Glauben in einer säkularen Gesellschaft zu bezeugen, ohne dabei Menschen anderer Überzeugungen auszugrenzen. François, ein Student aus Burgund, dagegen wollte von Papst Leo wissen, wie man angesichts von Zukunftsängsten und den vielen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit Orientierung finden und seine Berufung erkennen können.

In seiner Antwort auf Französisch, die immer wieder von tosendem Applaus unterbrochen wurde, erinnerte der Papst an das Pauluswort: „Für mich ist Christus das Leben“ – eine Botschaft, die nicht zur Abgrenzung führen dürfe. Wer das Evangelium verkünde, müsse immer auch offen bleiben für andere, die unseren Glauben nicht teilten. Mission und Geschwisterlichkeit seien untrennbar miteinander verbunden, so Papst Leo.

„Wie viele lehnen einfache Menschen und Kranke ab, in der Annahme, dass jeder nur durch das etwas wert ist, was er leistet.“

Der Pontifex verwies auch auf eine Herausforderung, die über die Kirche hinausreicht und in unserer schnelllebigen Zeit immer mehr um sich greift: die zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber dem Menschen.

„Wie viele Menschen interessieren sich leider nicht für ihren Nächsten, führen ein egoistisches Leben oder verachten die Armen, indem sie ihren Reichtum für belanglose Dinge verschwenden,“ beklagte der Papst. „Wie viele lehnen einfache Menschen und Kranke ab, in der Annahme, dass jeder nur durch das etwas wert ist, was er leistet.“ In Christus aber wüssten wissen wir, dass Gott dem Menschen gegenüber niemals gleichgültig sei. Und so lade sein Evangelium „nicht zu Konflikten, sondern zur Vergebung ein: Während es das Drama der Geschichte erhellt, schult es uns in geschwisterlicher Fürsorge. Die Begegnung mit Christus öffnet den Weg zum Dialog und bereitet auf seinen Frieden vor, denn sie schenkt jedem Mann und jeder Frau das größte Versprechen, das alle Sehnsüchte erfüllt: das Versprechen des ewigen Lebens.“

Das Herz offen halten für das Leid der anderen

Auch die Unsicherheit vieler junger Menschen nahm der Papst ernst. Zukunftsängste, Klimawandel, wirtschaftliche und internationale Krisen sowie die Belastungen der digitalen Welt prägten ihre Lebenswirklichkeit. Diese Zerbrechlichkeit müsse jedoch nicht entmutigen. Sie könne vielmehr dazu führen, mehr Verantwortung zu übernehmen und „das Herz offen zu halten für das Leid der Altersgenossen.“

„Heute ist diese große Mission dringender denn je, denn sie fordert uns auf, mit Unterscheidungsvermögen durch die aktuellen technologischen und digitalen Umbrüche zu steuern, ohne dabei unsere Menschlichkeit zu verlieren,“ betonte der Papst. „Insbesondere wenn wir uns dem Schutz der Kleinsten und Schwächsten widmen, erkennen wir unsere eigene Schwäche, in der wir uns alle wiederfinden. Diese dem menschlichen Leben eigene Zerbrechlichkeit macht uns keine Angst, sondern vereint uns als Geschöpfe, die sich in Christus als Brüder und Schwestern entdecken.

Sich von den Heiligen den Weg weisen lassen

Die Suche nach der eigenen Berufung beschrieb der Pontifex als einen Weg der Unterscheidung, der Gebet, Stille und konkrete Erfahrungen des Dienens miteinander verbindet. Orientierung könne dabei auch der Blick auf die Heiligen geben, die selbst in schwierigen Zeiten ihren Glauben gelebt und sich für andere eingesetzt hätten.

Wörtlich sagte der Papst:

„Der Herr spricht nicht undeutlich zu euch, sondern er spricht jeden einzelnen bei seinem Namen an und lädt euch ein, ihm zu folgen, weil er euch liebt. Wenn ihr sein Evangelium mit klarem Verstand und reinem Herzen annehmt, werdet ihr verstehen, wie Jesus euch zum Dienst beruft. Es geht immer um Hingabe des Lebens: ganz und gar, treu und voller Liebe.“

Die Jugend Frankreichs und ihre Heiligen

Zu Beginn der Vigil erzählten die jungen Leute in einer beeindruckenden szenischen Darstellung von den heiligen Männern und Frauen, die die Geschichte Frankreichs geprägt haben. Darunter die Jungfrau von Orléans, Teresia von Lisieux oder König Ludwig IX. von Frankreich (1214-1270), der in Paris die prachtvolle Sainte-Chapelle als Reliquienschrein für die Dornenkrone erbauen ließ und den Ausbau der Kathedrale von Notre-Dame unterstützte.

vaticannews – skr, 26. September 2026

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