Symphonie des Humanen

Papst Franziskus treibt die Sorge um das gemeinsame Haus der Menschheit um

oliver maksanVon Oliver Maksan

Papst Franziskus treibt die Sorge um das gemeinsame Haus der Menschheit um. Wie schon am Donnerstag in seiner Rede vor dem US-Kongress hat der Papst gestern auch vor den Vereinten Nationen deutlich gemacht, dass die katholische Kirche jedem die Hand reicht, der das globale Gemeinwohl im Blick hat und es zu verwirklichen sucht. Mit dem vollen Gewicht seiner moralischen Autorität mahnte er am Freitag in New York die versammelte Weltgemeinschaft zum Handeln auf angesichts die Menschheit herausfordernder Probleme wie Klimawandel und Armutsbekämpfung.

Sowohl vor den Vertretern der Staatengemeinschaft wie zuvor schon vor den amerikanischen Volksvertretern hat Franziskus das überzeugende Bild einer Kirche abgegeben, die sich für das Leben in all seinen Phasen einsetzt – auch zwischen Zeugung und Tod. Besonders in den USA gibt es sowohl im politischen Leben des Landes als auch innerhalb der Kirche eine thematische Polarisierung und Engführung, die Folge der die Politik bestimmenden ideologischen Fliehkräfte ist. Die Einen fokussieren den Lebensschutz und vergessen darüber hinaus, dass die Würde auch durch ungerechte wirtschaftliche Strukturen bedroht sein kann. Die Anderen setzen sich für soziale und ökologische Gerechtigkeit ein, verlieren dabei aber die Ökologie der Person aus dem Blick. In inhaltlicher Kontinuität zu seinen Vorgänger betont Franziskus demgegenüber das katholische sowohl als auch.

Eine Schwächung kirchlicher Positionen oder der Klarheit ihres Zeugnisses geht damit nicht einher. Der Papst hat die Haltung der Kirche sowohl im US-Kongress als auch bei seiner Begrüssungsrede im Weissen Haus deutlich gemacht. Er hat den Schutz des Lebens in allen seinen Phasen angemahnt und damit beispielsweise der Abtreibung unmissverständlich eine Absage erteilt. Er hat zudem den Wert der Familie betont, die bedroht sei wie niemals zuvor. Jedem im Kongress war klar, dass damit die Homo-“Ehe“ gemeint war, die das Oberste Gericht der USA kürzlich für verfassungsmässig erklärt hatte. Schutz der Familie bedeutet in der Logik von Papst Franziskus aber auch, die Bedrohungen zu bekämpfen, die ihr aus Armut, Krieg und Migration erwachsen.

Es wäre zu wünschen, dass sowohl innerkirchlich wie auch seitens der amerikanischen und internationalen Politik diese vom Papst intonierte Symphonie des Humanen verstanden und umgesetzt werden würde. Für jeden gutwilligen Katholiken, Christen und überhaupt Gottgläubigen ist das kein Problem, lassen sich mögliche Engführungen korrigieren. Schwierig wird es aber für eine westliche Welt, die auch in den USA zunehmend dem ideologischen Säkularismus und seinem Individualismus ohne Gott erliegt und zu dieser Synthese nicht mehr fähig ist. Die Obama-Regierung verkörpert dies exemplarisch. Sie mag sich jetzt verstärkt das Anliegen des Klimaschutzes zu eigen machen. Angesichts der Tatsache, dass die USA eine wirtschaftliche und politische Supermacht sind, ist dies keine Kleinigkeit und lobenswert. Gleichzeitig ist sie aber weltweit der Motor jener “ideologischen Kolonialisierung“, vor der der Papst bereits mehrfach und nun auch in New York gewarnt hat. Sie ist damit so sehr Teil der Lösung wie sie Teil des Problems ist. Mit der UNO ist das nichts anders.

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