Pius XII. “Weihnachtsrundfunkbotschaft” 1944

“Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Erlösergottes.” Ein wahrer Strom von Licht und Freude senkt sich herab auf die trauernden, betrübten, zerschlagenen Herzen und dringt bis auf ihren Grund. Die zu Boden gesenkten Häupter erheben sich und werden wieder froh, denn Weihnachten ist das Fest der Menschenwürde, das Fest des “wunderbaren Tausches, durch den der Schöpfer des Menschengeschlechtes, indem Er Menschennatur annahm und sich würdigte, aus der Jungfrau geboren zu werden, uns der göttlichen Natur teilhaftig machte”

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Funkspruch “Benignitas et humanitas” zu Weihnachten (24. Dezember 1944) | PIUS XII. (vatican.va)/Übersetzung
Wortlaut: Die Ansprache des Papstes an die Diplomaten – Vatican News

Pius XII. “Weihnachtsrundfunkbotschaft”

Papst Pius XII. Rundfunkbotschaft Pius XII. über Demokratie und Weltfrieden am 24. Dezember 1944

“Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Erlösergottes.”

1 Ein wahrer Strom von Licht und Freude senkt sich herab auf die trauernden,
betrübten, zerschlagenen Herzen und dringt bis auf ihren Grund. Die zu Boden
gesenkten Häupter erheben sich und werden wieder froh, denn Weihnachten ist das
Fest der Menschenwürde, das Fest des „wunderbaren Tausches, durch den der
Schöpfer des Menschengeschlechtes, indem Er Menschennatur annahm und sich
würdigte, aus der Jungfrau geboren zu werden, uns der göttlichen Natur teilhaftig
machte.”
Doch von diesem strahlenden Kind in der Krippe wendet sich unser Blick unwillkürlich
ab zu der Welt, die Es umgibt. Und der schmerzliche Seufzer des Evangelisten
Johannes steigt uns auf die Lippen: „Lux in tenebris lucet et tenebrae eam non
comprehenderunt.”2
Das Licht leuchtet in der Finsternis, aber die Finsternis hat es
nicht begriffen. Denn leider geht der Weihnachtstag schon zum sechsten Male auf über
Schlachtfeldern, die sich immer weiter ausdehnen; über Friedhöfen, wo sich die
Leichen der Opfer dieses Krieges immer mehr häufen; über verwüsteten Ländern,
wo einige schwankende Türme in trostlosem Schweigen die Trümmer der vor
kurzem noch blühenden und glücklichen Städte bezeichnen, und wo die Glocken, die
zerschlagen oder weggenommen wurden, nicht mehr durch ihr festliches Lied die
Menschen in dieser freudigen Nacht wecken können. Soviel Zeugen, die, wenn sie
auch stumm sind, unsere Zeit verklagen und anprangern, und die zeigen, wie sie einen
Schandfleck in der Geschichte der Menschheit bildet! Weil unsere Zeit willentlich die
Augen verschlossen hat vor dem Lichte dessen, der Strahl und Abglanz des Vaters ist;
weil sie sich willentlich von Christus entfernt hat, darum ist sie hinabgesunken und der
Vernichtung und Entäußerung ihrer Würde anheimgefallen. Selbst das Ewige Licht ist
ausgelöscht in zahlreichen majestätischen Domen und in vielen bescheidenen
Kapellen, wo es beim Tabernakel teilnahm an der Wache des göttlichen Gastes über
der schlafenden Welt. Welche Verwüstung! Welche Zerstörung! Sollte es denn keine
Hoffnung mehr geben für die Menschheit?
Doch gepriesen sei der Herr! Aus den schauerlichen Schmerzensrufen und mitten aus
der grauenhaften Angst der Einzelnen und der bedrückten Völker leuchtet ein
Hoffnungsschimmer hervor. Bei hervorragenden Geistern, deren Zahl ständig
wächst, bricht ein Gedanke durch; ein immer klarerer und festerer Wille: diesen
Weltkrieg, diesen allgemeinen Umsturz zum Ausgangspunkt für ein neues Zeitalter, für
eine tiefgreifende Erneuerung, für eine vollständige Umgestaltung der Welt zu
machen. Und während die Heere fortfahren, sich in mörderischen Schlachten mit
immer grausameren Waffen aufzureiben, treffen sich die Machthaber als
verantwortliche Vertreter der Nationen, um teilzunehmen an Aussprachen und
Zusammenkünften, deren Ziel es ist, die Rechte und Grundpflichten zu bestimmen,
auf denen die Gemeinschaft der Staaten aufgebaut werden müßte, und um den Weg
zu bahnen zu einer Zukunft, die schöner, sicherer und menschenwürdiger ist. Seltsamer
Gegensatz: dieses Zusammentreffen eines Krieges, der auf Vernichtung zielt, mit
einem sichtbaren Fortschritt in Bestrebungen und Plänen, deren Ziel ein
Übereinkommen für einen festen und dauerhaften Frieden ist! Ohne Zweifel kann
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man über Wert, Anwendbarkeit und Wirksamkeit des einen oder anderen Vorschlags
streiten, man kann sein Urteil darüber zurückstellen, aber bestehen bleibt doch, daß
die Bewegung im Gange ist.
Außerdem – und das ist vielleicht der wichtigste Punkt – sind die Völker unter dem
unheilvollen Lichte des Krieges, das sie umfängt, und in der brennenden Glut des
Schmelzofens; in den sie eingeschlossen sind, jetzt wie aus langer Betäubung
erwacht. Sie haben gegenüber dem Staat, gegenüber den Regierenden eine neue
Haltung angenommen, die Rechenschaft fordert, kritisch und mißtrauisch ist. Durch
bittere Erfahrung belehrt, widersetzen sie sich immer heftiger den Ansprüchen einer
diktatorischen Macht, die nicht zur Verantwortung gezogen werden kann und die
unangreifbar ist; sie suchen ein Regierungssystem, das mit der Würde und Freiheit
der Bürger besser zu vereinen ist. Diese unruhigen Massen, die durch den Krieg in
ihren Tiefen erschüttert sind, haben heute die Überzeugung gewonnen, – die anfangs
vielleicht verschwommen und unklar war, jetzt aber nicht mehr zu unterdrücken ist –;
die Welt wäre nicht in diesen vernichtenden Wirbel des Krieges hinein gezogen
worden, wenn es möglich gewesen wäre, das Vorgehen der öffentlichen Macht zu
kontrollieren und zu steuern; in den Völkern selbst wären wirksame Garantien zu
schaffen, damit für die Zukunft solche Katastrophen vermieden würden.
Bei dieser geistigen Haltung braucht man sich nicht mehr darüber zu wundern, daß
demokratische Bestrebungen sich der Völker bemächtigen und in großem Ausmaße
die Überzeugung und Zustimmung derer gewinnen, deren Anliegen es ist, die
Geschicke der Einzelnen und der Gesellschaft wirksam zu beeinflussen.
Es ist wohl kaum nötig, hier daran zu erinnern, daß es nach der Lehre der Kirche „nicht
verboten ist, Regierungsformen den Vorzug zu geben, die durch die Mitwirkung des
Volkes beeinflußt werden; wohl verstanden unter der Bedingung, daß die katholische
Lehre über den Ursprung und die Anwendung der staatlichen Macht gewahrt bleibt.”
Denn „die Kirche lehnt keine der vielen verschiedenen Formen ab, die eine Regierung
haben kann, sofern sie nur geeignet ist, das Wohl der Bürger zu sichern.”3
In dieser Festzeit, die zugleich die Güte des menschgewordenen Wortes und die
Würde des Menschen feiert (Würde, nicht nur vom persönlichen, sondern auch vom
sozialen Gesichtspunkt aus verstanden), wenden Wir Unsere Aufmerksamkeit auf
das Problem der Demokratie. Wir wollen prüfen, nach welchen Gesetzen sie sich
richten muß, um den Namen einer wahren und gesunden Demokratie, die den Bedürfnissen der jetzigen Stunde angepaßt ist, zu verdienen. Diese Tatsache zeigt
deutlich, daß die Sorge und die Arbeit der Kirche nicht so sehr ihren äußeren und
inneren Aufbau betreffen, die von den jeweils verschiedenen Neigungen der
einzelnen Völker abhängen, als vielmehr den Menschen selbst, der, weit davon
entfernt, ein passives Element des sozialen Lebens zu sein, sein Träger, Fundament
und Zweck sein und bleiben soll.
Es ist klar, daß die Demokratie im weiten Sinne des Wortes verschiedene Formen
zuläßt und sich gleich gut in einer Monarchie wie in einer Republik verwirklichen kann.
So erheben sich zwei Fragen, die Wir prüfen wollen:
Welche Eigenschaften müssen die Menschen auszeichnen
1. die in einer Demokratie und unter einer demokratischen Regierung leben,
2. die die Macht in einer Demokratie ausüben?
Seine Meinung sagen über die ihm auferlegten Pflichten und Opfer und nicht
gezwungen sein zu gehorchen ohne gehört worden zu sein: das sind zwei Rechte des
Bürgers, die in der Demokratie, wie schon ihr Name sagt, ihren Ausdruck finden. Aus
der Festigkeit, Übereinstimmung und den Erfolgen dieser Berührung zwischen
Bürgern und Regierung kann man erkennen, ob eine Demokratie gesund und im
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Gleichgewicht und wie stark ihre Lebenskraft und Entwicklungsfähigkeit ist. Wenn wir
das Ausmaß und die Art der Opfer ansehen, die von allen Bürgern gefordert werden,
erscheint die demokratische Form der Regierung in der Gegenwart, wo die Tätigkeit
des Staates ein so großes Ausmaß und einen so entscheidenden Einfluß gewonnen
hat, vielen als eine Forderung der Natur, die von der Vernunft selbst aufgestellt ist.
Doch wenn man „mehr Demokratie und eine bessere Demokratie” fordert, dann kann
diese Forderung nur das Ziel haben, den Bürger immer mehr in die Lage zu
versetzen, sich seine persönliche Meinung zu bilden, sie zu äußern und ihr
entsprechend den Forderungen des allgemeinen Wohls Geltung zu verschaffen.
Daraus ergibt sich eine erste notwendige Forderung mit ihren praktischen
Folgerungen. Ein Staat umfaßt und vereint nicht mechanisch auf einem gegebenen
Raum eine formlose Anhäufung von Einzelwesen. In Wahrheit ist und muß er die
organische und organisatorische Einheit eines wirklichen Volkes sein.
Volk und formlose Menge oder, wie man gewöhnlich sagt, „Masse”, sind zwei
verschiedene Begriffe. Das Volk lebt und bewegt sich durch sein eigenes Leben; die
Masse ist an sich untätig, sie kann nur von außen her bewegt werden. Das Volk lebt
aus der Fülle des Lebens der Menschen, aus denen es besteht und deren jeder
einzelne an seinem Platze und auf seine Weise eine Persönlichkeit ist, die sich ihrer
Verantwortung und ihrer Überzeugung bewußt ist. Die Masse dagegen wartet auf
den Anstoß von außen, ist ein williges Spielzeug in den Händen desjenigen, der ihre
Instinkte oder Gefühle ausnutzt; sie folgt bereitwillig heute dieser Fahne, morgen
jener. Das überströmende Leben eines wahren Volkes teilt sich verschwenderisch
und reich dem Staat und allen seinen Organen mit, flößt ihnen dadurch eine immer
wieder erneuerte Lebenskraft, das Bewußtsein ihrer Verantwortung und den
wirklichen Sinn für das allgemeine Wohl ein. Der elementaren Gewalt der Masse
kann sich der Staat selbst bedienen, wenn er sie geschickt leitet und benutzt. Wenn
der Staat dem Ehrgeiz eines einzigen oder einiger Führer, die künstlich durch ihre
egoistischen Leidenschaften geeint sind, unterworfen ist, dann kann es dahin
kommen, daß er mit Unterstützung der Masse, die er nur noch eine Maschine sein
läßt, dem besseren Teil des Volkes seine willkürlichen Beschlüsse aufzwingt. Dadurch
wird das allgemeine Wohl schwer und nachhaltig verletzt, und diese Verwundung ist
nicht leicht zu heilen. Hieraus ergibt sich klar eine weitere Folgerung: die Masse, so
wie Wir sie definiert haben, ist der Hauptfeind der wahren Demokratie und ihres
Ideales von Freiheit und Gleichheit.
In einem Volk, das dieses Namens würdig ist, fühlt der Bürger in sich selbst das
Bewußtsein seiner Persönlichkeit, seiner Pflichten, seiner Rechte und seiner Freiheit,
verbunden mit der Achtung vor der Freiheit und der Würde des Nächsten. In einem
Volk, das dieses Namens würdig ist, sind alle Ungleichheiten, die nicht aus Willkür,
sondern aus der Natur der Dinge selbst stammen, Ungleichheiten der Bildung, des
Besitzes, der sozialen Stellung – ohne hier Gerechtigkeit und Nächstenliebe in
Betracht zu ziehen – kein Hindernis für das Vorhandensein und das Vorherrschen des
Geistes wahrer Gemeinschaft und Brüderlichkeit. Sie verletzen die bürgerliche
Gleichheit keineswegs, sie geben ihr vielmehr ihre wahre Bedeutung, so daß also
jeder gegenüber dem Staate das Recht hat, in Ehren sein persönliches Leben zu
führen an dem Platze und unter den Verhältnissen, in die ihn die Absichten, und
Bestimmungen der Vorsehung gestellt haben.
Welchen Anblick bietet im Gegensatz zu diesem Bild des demokratischen Ideals der
Freiheit und Gleichheit in einem Volke, das von ehrenhaften und gescheiten Männern
geführt wird, ein demokratischer Staat, der der Willkür der Massen ausgeliefert ist! Die
Freiheit, wie die moralischen Pflichten der Person verwandeln sich in tyrannische
Forderungen, den Leidenschaften und Trieben freien Lauf zu lassen ohne Rücksicht
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auf die Rechte des Mitmenschen. Die Gleichheit sinkt herab zu einer
mechanischen Gleichmacherei, zu einer farblosen Gleichförmigkeit; das wirkliche
Ehrgefühl, das persönliche Handeln, die Achtung vor der Überlieferung, die Würde,
mit einem Worte, alles, was dem Leben Wert gibt, versinkt und schwindet, Bestehen
bleiben nur auf der einen Seite die Opfer dieses trügerischen Blendwerks einer
Demokratie, das naiv mit dem Geist der Demokratie selbst verwechselt wird, mit der
Freiheit und der Gleichheit; auf der anderen Seite die mehr oder weniger
zahlreichen Gewinner, die durch die Macht des Geldes oder der Organisation sich
eine Vorzugstellung und die Gewalt selbst zu verschaffen wußten.
Der demokratische Staat muß, ob er nun monarchisch oder republikanisch ist, wie jede
andere Regierungsform mit einer Befehlsgewalt ausgerüstet sein, die auf wahrer und
wirksamer Autorität beruht. Die absolute Seins- und Zielordnung, die den Menschen
zur selbständigen Persönlichkeit macht, d. h. als Träger unverletzlicher Pflichten und
Rechte, als Ursprung und Ziel des sozialen Lebens, umfaßt auch den Staat als eine
notwendige Gesellschaft, die mit Autorität ausgestattet ist, ohne die er weder sein
noch leben kann. Denn wenn die Menschen unter Berufung auf ihre persönliche
Freiheit jede Abhängigkeit von einer höheren Autorität, die mit dem Recht
ausgestattet ist, Zwang auszuüben, zurückwiesen, dann untergrüben sie dadurch
Würde und Freiheit, die absolute Ordnung des Seins und der Ziele.
Da die Persönlichkeit, der Staat und die öffentliche Macht mit ihren jeweiligen
Rechten auf der gleichen Grundlage ruhen, sind sie so eng miteinander verbunden,
daß sie sich gegenseitig unterstützen oder zugrunde richten.
Da diese absolute Ordnung, wenn man sie im Lichte der Vernunft und vor allem des
christlichen Glaubens betrachtet, keinen anderen Ursprung haben kann als einen
persönlichen Gott, unseren Schöpfer, so ergibt sich daraus: die Würde des Menschen
besteht in der Gottebenbildlichkeit, die Würde des Staates in der sittlichen, von Gott
gewollten Gemeinschaft, die Würde der politischen Autorität in der Teilnahme an der
Autorität Gottes.
Es gibt keine Staatsform, die diese innige und unlösliche Verbindung nicht
berücksichtigen müßte; noch weniger als jede andere könnte es die Demokratie. Wer
daher die Macht besitzt, diese Verbindung aber nicht sieht oder sie mehr oder
weniger vernachlässigt, erschüttert die Grundlagen seiner eigenen Autorität.
Gleicherweise besteht die große Gefahr, daß, wenn er diese Beziehung nicht
genügend berücksichtigt und in seinem Amte nicht den Auftrag sieht, die von Gott
gewollte Ordnung zu verwirklichen, und wenn eigensüchtiger Ehrgeiz und
Selbstsucht über die wesentlichen Forderungen der politischen und sozialen Moral
vorherrschen, daß der leere Schein einer nur formellen Demokratie dem als Maske
dient, was in Wirklichkeit sehr wenig demokratisch ist.
Nur die klare Einsicht in die Ziele, die Gott einer jeden menschlichen Gesellschaft
vorgezeichnet hat, verbunden mit dem tiefen Gefühl für die erhabenen Pflichten der
sozialen Tätigkeit kann diejenigen, denen die Gewalt überantwortet ist, in die Lage
versetzen, ihre Aufgaben gesetzgebender, richterlicher oder ausübender Art mit
jenem Verantwortungsbewußtsein zu erfüllen, mit jener Sachlichkeit, Unparteilichkeit,
Gerechtigkeit, mit jenem Großmut und Unbestechlichkeit, ohne die eine
demokratische Regierung es schwerlich erreichen wird, Achtung, Vertrauen und
Billigung des besseren Teiles des Volkes zu gewinnen. Das tiefe Gefühl für die
Grundlagen einer gesunden politischen und sozialen Ordnung, die den Grundsätzen
von Recht und Gerechtigkeit entspricht, ist von besonderer Wichtigkeit für jene, die in
einem demokratischen Regime, gleich welcher Form, als Vertreter des Volkes ganz
oder teilweise die gesetzgebende Macht in ihren Händen haben. Und da der
Schwerpunkt einer rechtmäßig aufgebauten Demokratie in dieser Volksvertretung
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liegt, von wo aus die politischen Strömungen zum Guten wie zum Schlechten in alle
Gebiete des öffentlichen Lebens ausstrahlen, ist die Frage nach dem moralischen
Hochstand, der praktischen Brauchbarkeit, der geistigen Fähigkeiten der
Abgeordneten im Parlament für jedes Volk unter demokratischer Herrschaft eine
Frage, die über Leben und Tod, Wohlstand und Verfall, Aufstieg und ständigen
Niedergang entscheidet.
Um fruchtbare Arbeit zu leisten, um sich Achtung und Vertrauen zu erwerben, muß
jede gesetzgebende Körperschaft – wie es unwiderlegliche Erfahrungen zeigen –
eine Elite von Männern vereinigen, die durch Geist und Charakterfestigkeit
hervorragen; die sich als Vertreter des ganzen Volkes ansehen und nicht als die
Beauftragten einer Gruppe, deren Sonderinteressen sehr oft an die Stelle der wahren
Bedürfnisse und wahren Erfordernisse des öffentlichen Wohles treten; eine Elite von
Männern, die nicht auf einen Beruf oder einen Stand beschränkt ist, sondern die ein
Bild des vielfältigen Lebens des ganzen Volkes sein soll; eine Elite von Männern, die
sich auszeichnet durch ihre unerschütterliche christliche Überzeugung, ihr gerades,
sicheres Urteil, ihren praktischen Sinn, ihre Billigkeit, ihre in allen Umständen klare
Haltung. Männer von klarer und gesunder Lehre, von festem und aufrechtem Willen;
Männer vor allem, die durch die Autorität, die sie aus ihrem reinen Gewissen
ausstrahlen und die sich um sie verbreitet, fähig sind, Führer und Lenker ihrer Mitbürger
zu sein; vor allem in Zeiten wie den jetzigen, wo die Nöte, die die Völker bedrücken,
sie leicht beeinflußbar machen und sie der Gefahr aussetzen, sich zu täuschen und
getäuscht zu werden; Männer, die in Zeiten des Übergangs, die immer von
Leidenschaften, Meinungsverschiedenheiten, widersprechenden Programmen
bedrängt und zerrissen sind, sich doppelt verpflichtet fühlen, den Adern des Volkes
und des Staates, in denen tausend Fieber brennen, die geistige Medizin der klaren
Sicht, der helfenden Güte, des gleichen Rechts für alle, der Willensausrichtung zur
Einheit und der nationalen Eintracht im Geiste wahrer Bruderliebe einzuflößen.
Die Völker, deren geistige und sittliche Veranlagung noch gesund und fruchtbar ist,
finden in sich selbst Herolde und Werkzeuge der Demokratie, die diese Eigenschaften
besitzen und sie zu verwirklichen wissen. Sie können sie auch der Welt geben. Wo
dagegen Männer dieses Schlages fehlen, werden andere ihren Platz einnehmen und
aus der politischen Tätigkeit ein Feld ihres Ehrgeizes machen, den Dingen einen
Verlauf geben, der ihnen, ihrer Kaste oder ihre Klasse vorteilhaft ist. Es ist ja bekannt,
daß die Jagd nach dem Einzelinteresse das wirkliche allgemeine Wohl aus dem
Blickfeld ausschließt und in Gefahr bringt. Eine gesunde Demokratie, die auf den
unveränderlichen Grundlagen des Naturgesetzes und der geoffenbarten Wahrheiten
beruht, ist entschieden der politischen Verderbtheit entgegengesetzt, die der Gesetzgebung des Staates eine zügel- und grenzenlose Macht zubilligt, und die aus
dem demokratischen Regime selbst, trotz der trügerischen gegenteiligen Erscheinung,
ganz klar ein System des Absolutismus macht. Der Absolutismus des Staates (als
solcher nicht mit der absoluten Monarchie zu verwechseln, von der Wir hier nicht
sprechen), besteht in der Tat in dem irrigen Grundsatz, daß die Autorität des Staates
unbegrenzt ist und daß ihr gegenüber – auch dann, wenn sie ihren machtgierigen
Bestrebungen freien Lauf läßt und so die Grenzen von Gut und Böse überschreitet –
kein höheres, moralisch verpflichtendes Gesetz angerufen werden kann.
Ein Mann, der rechte Begriffe von Staat, Autorität und Macht hat, mit der er als Hüter
der sozialen Ordnung bekleidet ist, wird die Majestät des positiven Gesetzes, das
innerhalb der Grenzen seiner natürlichen Anwendbarkeit bleibt, nicht antasten.. Aber
diese Majestät des positiven menschlichen Gesetzes ist nur unanfechtbar in dem
Maße, in dem es übereinstimmt – oder zum mindesten nicht im Widerspruch steht –
mit der absoluten Ordnung, die durch den Schöpfer aufgestellt und durch die
Offenbarung des Evangeliums in ein neues Licht gerückt ist. Sie kann nur Bestand
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haben, wenn sie die Grundlagen achtet, auf die sich die menschliche Persönlichkeit,
der Staat und die öffentliche Macht stützen. Das ist das Kennzeichen für jede
gesunde Form der Regierung, die Demokratie einbegriffen; das Kennzeichen, nach
dem der Wert jedes einzelnen Gesetzes beurteilt werden soll.
Wir wollen, geliebte Söhne und Töchter, die Gelegenheit des Weihnachtsfestes
ergreifen, um zu zeigen, auf welchen Wegen eine Demokratie, die der menschlichen
Würde entspricht, im Einklang mit dem Naturgesetz und den Plänen Gottes, die Er in
der Offenbarung aufgezeigt hat, zu guten Ergebnissen gelangen kann. Denn Wir sind
Uns tief der großen Bedeutung dieses Problems für die Entwicklung der
Menschheitsfamilie bewußt; gleichzeitig fühlen Wir genau die ganze moralische
Reife, die diese Regierungsform von den Bürgern fordert; eine moralische Reife, zu
der vollständig und sicher zu gelangen man vergeblich hoffen würde; wenn das Licht
aus der Grotte von Bethlehem nicht den Weg erleuchtete, auf dem die Völker aus der
von Stürmen bedrängten Gegenwart einer Zukunft entgegenschreiten, die, wie sie
hoffen, ungetrübter ist.
Aber wie weit sind die Vertreter und Wegbereiter der Demokratie bei ihren
Beratungen von der Überzeugung durchdrungen, daß die absolute Ordnung des
Seins und Sollens, die Wir beharrlich in die Erinnerung zurückgerufen haben, als
moralische Forderung und als Krönung der sozialen Entwicklung gleichzeitig die
Einheit des menschlichen Geschlechtes und der Völkerfamilie in sich einschließt?
Von der Anerkennung dieses Grundsatzes hängt die Zukunft des Friedens ab. Keine
Reform der Welt, keine Friedensgarantie kann davon absehen, ohne sich zu
schwächen und sich selbst zu verneinen. Im Gegenteil: wenn diese moralische
Forderung sich verwirklicht fände in einer Völkergemeinschaft, die die Fehler und
Unzulänglichkeiten der früheren Lösungsversuche zu vermeiden wüßte, dann würde
die Majestät der absoluten Ordnung auch gleichzeitig die Beschlüsse dieser Gemeinschaft und die Anwendung ihrer Maßnahmen regeln und beherrschen.
Man versteht, wie aus demselben Grunde die Autorität dieser Völkergemeinschaft bei
ihren Mitgliedstaaten wirklich und wirksam sein muß; derart, daß jeder ein gleiches
Recht auf seine relative Selbständigkeit behält. Nur auf diese Weise kann der Geist
einer gesunden Demokratie auch in die ausgedehnten und dornigen Gefilde der Außenpolitik eindringen.
Eine Pflicht ist im übrigen allen auferlegt; eine Pflicht, die keine Verzögerung, keinen
Aufschub, keine Zurückhaltung, keine Ausflucht duldet: die Pflicht, alles nur irgend
Mögliche zu tun, um ein für alle Mal den Angriffskrieg als rechtmäßige Lösung
internationaler Streitigkeiten und als Werkzeug nationaler Bestrebungen zu ächten
und zu bannen. Die Vergangenheit hat genügend Versuche mit diesen Zielen gesehen. Sie alle haben Schiffbruch erlitten. Und sie werden auch solange weiter
scheitern, als der gesündere Teil des Menschengeschlechtes noch nicht den festen
Willen, die heilige Hartnäckigkeit wie eine Gewissenspflicht in sich fühlt, die Mission
zu vollenden, die die früheren Zeitalter begonnen haben, aber ohne die nötige Entschlossenheit.
Wenn jemals eine Generation den Schrei „Krieg dem Kriege!” der aus den Tiefen
ihres Gewissens aufstieg, vernehmen mußte, dann ist es gewiß die unsere. Sie ist
durch einen Ozean von Blut und Tränen geschritten wie es vielleicht keine Zeit vorher
gekannt hat, und sie hat die unaussprechlichen Grausamkeiten so intensiv erlebt, daß
das Andenken an diese Schrecken in ihr Gedächtnis und in den Grund ihrer Seele
eingegraben bleiben wird wie das Bild einer Hölle …
Die Beschlüsse, die von den internationalen Kommissionen angenommen und bis
jetzt bekannt geworden sind, lassen erwarten, daß ein wesentlicher Punkt jeder
zukünftigen Weltorganisation die Bildung eines Organs sein wird, das den Frieden
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aufrecht erhalten soll; eines Organs, das durch gemeinsamen Beschluß mit einer
höchsten Autorität ausgerüstet ist und das auch die Aufgabe hat, jede Angriffsdrohung
im Keime zu ersticken. Niemand kann diese Entwicklung mit größerer Freude
begrüßen als derjenige, der schon seit langer Zeit den Grundsatz vertreten hat, daß
die Theorie vom Kriege als dem geeigneten und angebrachten Mittel internationale
Konflikte zu lösen, von nun an überlebt sei. Niemand kann dieser gemeinsamen
Zusammenarbeit, die es mit bisher unbekannter Entschlossenheit ins Werk zu setzen
gilt, mit größerer Wärme einen vollen und glücklichen Erfolg wünschen als derjenige,
der im Gewissen dazu verpflichtet ist, das christliche und religiöse Denken dahin zu
beeinflussen, daß es den modernen Krieg mit seinen fürchterlichen Kampfmitteln
ablehnt.
Fürchterliche Kampfmittel! Es besteht kein Zweifel, daß der Fortschritt der
menschlichen Erfindungen, der das Nahen eines größeren Wohlstandes für die
ganze Menschheit sichern sollte, im Gegenteil dazu verwandt worden ist, das zu
vernichten, was die Jahrhunderte aufgebaut hatten. Aber gerade dadurch ist die
Unsittlichkeit des Angriffskrieges immer augenfälliger geworden. Und wenn sich zu
der Erkenntnis dieser Unsittlichkeit die drohende Gefahr eines gerichtlichen
Einspruchs der Nationen und einer Strafe gesellt, die dem Angreifer vom Bund der
Völker auferlegt wird, so daß der Krieg sich ständig unter dem Druck der Ächtung und
immer von vorbeugenden Maßnahmen überwacht fühlt, dann kann die Menschheit, die
aus der dunklen Nacht hervorgeht, in die sie so lange versenkt war, die Morgenröte
eines neuen und besseren Zeitalters ihrer Geschichte begrüßen.
Allerdings nur unter der einen Bedingung, daß die Friedensorganisation, der
gegenseitige Garantien und wenn nötig, wirtschaftliche Maßnahmen und selbst
bewaffnetes Eingreifen Kraft und Festigkeit verleihen müßten, nicht endgültig eine
Ungerechtigkeit billigt und nicht eine Verletzung eines Rechts zum Nachteil eines
Volkes zufügt (ob dies Volk nun zu der Gruppe der Sieger oder zu der der Besiegten
oder der Neutralen gehört); daß sie nicht irgendwelche Auflagen oder Lasten
verewigt, die höchstens als Reparation für die Kriegsschäden zulässig wären.
Daß gewisse Völker, deren Regierungen – oder vielleicht auch teilweise sie selbst –
für den Krieg verantwortlich geworden sind, einige Zeit die Härte der
Sicherheitsmaßnahmen zu ertragen haben, bis die Bande gegenseitigen Vertrauens,
die durch die Gewalt zerbrochen wurden, nach und nach wieder hergestellt sind, das
ist etwas, was schwerlich zu vermeiden ist, so hart es auch sein mag. Indessen müssen
auch diese Völker die wohlbegründete Hoffnung haben können, entsprechend dem
Maß ihrer redlichen und wirksamen Mitarbeit an dem Bemühen um den Wiederaufbau
wie die anderen Staaten und mit demselben Ansehen und denselben Rechten in die
große Gemeinschaft der Nationen eingegliedert zu werden. Ihnen diese Hoffnung
verweigern, wäre das Gegenteil von voraussehender Klugheit; es hieße, die große
Verantwortung auf sich nehmen, den Weg zu sperren, der zu einer allgemeinen
Befreiung von den verhängnisvollen moralischen, materiellen und politischen
Folgerungen führt, die sich aus dem gigantischen Umsturz ergeben, der die arme
Menschheit in ihren letzten Tiefen aufgerührt, ihr aber auch zur gleichen Zeit den
Weg zu neuen Zielen gezeigt hat.
Wir wollen nicht aufhören zu vertrauen, daß die Völker, die alle die Schule des
Schmerzes durchgemacht haben, davon ernste Lehren behalten haben. Und Wir
finden eine Bestätigung dieser Hoffnung in den Aussprüchen der Männer, die die
Leiden des Krieges bitter erfahren haben und die edle Worte fanden, um zugleich mit
der Betonung ihrer Sicherheitsforderungen gegen jeden zukünftigen Angriff ihre
Achtung vor den Lebensrechten der anderen Völker und ihre Ablehnung jeder
Unterdrückung dieser Rechte auszusprechen. Es wäre eitel zu erwarten, daß dieses
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maßvolle Urteil, das von der geschichtlichen Erfahrung und von einem hohen
politischen Sinn diktiert ist, ganz allgemein von der öffentlichen Meinung oder auch
nur von der Mehrheit jetzt, wo die Herzen noch glühen, angenommen würde. Der
Haß, die Unfähigkeit, sich gegenseitig zu verstehen, hat zwischen den Völkern, die
gegeneinander gekämpft haben, eine Nebelwand aufsteigen lassen, die zu dicht ist,
als daß man erwarten könnte, die Stunde sei schon gekommen, wo ein Lichtstrahl das
trostlose Bild auf beiden Seiten der Mauer erhellte. Aber eines ist sicher: dieser
Augenblick wird kommen – und vielleicht eher, als man denkt – wo die einen und die
anderen erkennen, daß es, richtig gesehen, nur einen einzigen Weg gibt, um aus den
Schwierigkeiten herauszukommen, die die Welt wie ein ungeheures Netz
umschließen, und zwar den Weg der Rückkehr zu einer seit langer Zeit vergessenen
Gemeinsamkeit; einer Gemeinsamkeit, die sich nicht auf dieses oder jenes Volk
beschränkt, sondern universell ist und auf der engen Gemeinsamkeit des Schicksals
aller und der Gleichheit ihrer Rechte beruht.
Selbstverständlich denkt niemand daran, die Gerechtigkeit gegenüber denjenigen zu
entwaffnen, die aus dem Kriege Nutzen gezogen und Verbrechen gegen das
allgemeine Wohl begangen haben; wirkliche und erwiesene Vergehen, für die die
vorgeschobenen militärischen Notwendigkeiten höchstens einen Vorwand, niemals
aber eine Rechtfertigung bieten konnten. Wenn indessen nicht mehr die Einzelnen,
sondern ganze Gemeinschaften bestraft werden sollten, – wer würde in einem
solchen Vorgehen nicht eine Verletzung der Regeln sehen, die jeden menschlichen
Richtspruch lenken?
Niemals vorher haben Völker in einer Wende ihrer Geschichte sich solchen Aufgaben
gegenübergesehen, wo sie fühlen, wie in ihren Herzen der ungeduldige und
gleichsam angeborene Wunsch schwingt, die Zügel ihres Geschickes mit größerer
Selbstverantwortung in die Hand zu nehmen. Sie hoffen nämlich, daß es ihnen dann
leichter sein wird, sich gegen die zeitweiligen Ausbrüche der Gewalt zu verteidigen,
die wie ein Strom glühender Lava auf ihrem Wege alles vernichten und nichts
verschonen, was ihnen lieb und heilig ist.
Gott sei gedankt: man kann annehmen, daß die Zeiten vorüber sind, wo die
Erinnerung an sittliche und evangelische Grundsätze bezüglich des Staats- und
Völkerlebens mit Verachtung beiseite geschoben wurde als mangelnder Realismus.
Die Ereignisse der Kriegsjahre, die wir durchlebt haben, hatten die Aufgabe, die
Vertreter solcher Ideen auf die härteste Weise, die man sich denken kann, zu
widerlegen. Die Verachtung, die sie dem gegenüber zur Schau getragen haben, was
sie Mangel an Realismus nannten, ist zu einer erschreckenden Realität geworden:
Brutalität, Sünde, Zerstörung, Vernichtung.
Wenn die Zukunft der Demokratie gehören soll, wird ein Teil, der zu ihrer Errichtung
wesentlich ist, der Religion Christi und der Kirche zukommen, die Vermittlerin der
Erlöserworte und Fortsetzerin Seiner Heilsmission ist. In der Tat lehrt und verteidigt
sie die Wahrheit; sie teilt die übernatürlichen Gnadenkräfte aus, um die Ordnung des
Seins und Sollens zu verwirklichen, die von Gott aufgestellt ist und letzte Grundlage
und Richtschnur jeder Demokratie ist.
Schon die Existenz der Kirche erhebt sich gegenüber der Welt als ein strahlender
Leuchtturm, der unaufhörlich an diese göttliche Ordnung erinnert. Ihre Geschichte
spiegelt ganz klar ihre von der Vorsehung bestimmte Aufgabe wider. Die Kämpfe, die
sie, gezwungen durch Mißbrauch der Macht, für die Verteidigung der von Gott
erhaltenen Freiheit führen mußte, waren gleichzeitig Kämpfe für die wahre Freiheit
des Menschen.
Die Kirche hat die Aufgabe, der Welt, die sich nach den besten und vollkommensten
Formen der Demokratie sehnt, die größte und wichtigste Botschaft zu verkünden, die
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es nur gibt: die Würde des Menschen, seine Berufung zur Gotteskindschaft. Das ist
der mächtige Ruf, der von der Krippe zu Bethlehem aus bis zu den äußersten
Grenzen der Erde in den Ohren der Menschen widerhallt in einer Zeit, die die
schmerzlichste Erniedrigung dieser Würde gesehen hat.
Das heilige Weihnachtsgeheimnis verkündet diese Würde mit einer Kraft und einem
Anspruch, gegen den kein Einwand gilt, und der unendlich den überragt, den alle nur
möglichen Erklärungen der Menschenrechte je erreichen könnten. Weihnachten, das
hohe Fest der Erscheinung des fleischgewordenen Wortes, das Fest, wo der Himmel
sich zur Erde neigt mit einer unauslöschlichen Gnade und Güte, ist auch der Tag, wo
die Christenheit und die Menschheit im Angesicht der Krippe, in der Betrachtung der
„benignitas et humanitas Salvatoris nostri Dei” sich noch inniger der engen
Verbundenheit bewußt wird, die Gott unter ihr aufgerichtet hat. Die Krippe des
Welterlösers, des Wiederherstellers der menschlichen Würde in ihrer ganzen Fülle,
ist der Ort, der für immer gezeichnet ist durch die Verbundenheit der Menschen, die
guten Willens sind. Dort ist der armen, von Zwietracht zerrissenen, von Eigennutz
aufgespalteten, durch Haß vergifteten Welt das Licht gewährt worden; dort ist ihr die
Liebe wiedergegeben worden, und dort ist es ihr verliehen worden, in herzlichem
Einklang sich auf den Weg zu machen zu dem gemeinsamen Ziel, um endlich die
Heilung ihrer Wunden im Frieden Christi zu finden.
Wir wollen Unsere Weihnachtsbotschaft nicht beschließen, ohne ein tiefempfundenes
Wort der Dankbarkeit an alle die Staaten, Regierungen, Bischöfe und Völker zu
richten, die in Zeiten unaussprechlichen Unglücks Uns wirksam geholfen haben, dem
Schmerzensschrei, der aus vielen Gegenden der Welt zu Uns drang, zu antworten
und vielen geliebten Söhnen und Töchtern hilfreich die Hand zu bieten, die durch das
Unglück des Krieges in die größte Armut und das größte Elend gebracht sind.
Es ist billig, hier an erster Stelle der weitgehenden Hilfsarbeit zu gedenken, die trotz
außerordentlichen Transportschwierigkeiten von den Vereinigten Staaten von
Amerika und, was im besonderen Italien angeht, von Sr. Exzellenz dem persönlichen
Vertreter des Präsidenten dieser Republik bei Uns entfaltet worden ist.
Wir möchten das gleiche Lob und die gleiche Dankbarkeit auch der Großmut des
Staatschefs, der Regierung und des Volkes von Spanien aussprechen, der Regierung
von Irland, von Argentinien, Australien, Bolivien, Peru, Polen, Rumänien, der
Slowakei, der Schweiz, Ungarns, Uruguays, die in Liebe und edlem brüderlichen Sinn
einen Wettstreit geführt haben, dessen Echo in der Welt nicht vergeblich erklingen
wird.
Während die Menschen, die guten Willens sind, sich bemühen, eine geistige Brücke
der Einigung zwischen den Völkern zu bauen, gewinnt dieses Hilfswerk, das aller
eigennützigen Interessen bar ist, eine einzigartige Wichtigkeit und Bedeutung.
Wenn, wie wir es alle hoffen, die Mißklänge des Hasses und der Zwietracht, die den
Augenblick beherrschen, nur noch eine traurige Erinnerung sein werden, dann
werden mit noch größerer Fülle die Früchte dieses Sieges großmütiger Liebe reifen,
die das Gift der Eigensucht und Feindseligkeit angreift. Möge allen, die an diesem
Kreuzzug der Liebe teilgenommen haben, Unser apostolischer Segen Ermutigung
und Belohnung sein… Retribuere dignare, Domine, omnibus nobis bona facientibus
propter nomen tuum vitam aeternam!
Belegstellen
1 Tit. 3, 4.
2 Jo. 1, 5.
3 Leo XIII., Enzyklika „Libertas” vom 20. Juni 1888 gegen Ende.
Pius XII. „Weihnachtsrundfunkbotschaft“
10
Quelle: Bundesverband der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Deutschland
(Hg.): Texte zur katholischen Soziallehre. Die sozialen Rundschreiben der Päpste
und andere kirchliche Dokumente. mit Einf. von Oswald von Nell-Breuning; Johannes
Schasching. 8. erweiterte Auflage. Bornheim: Ketteler-Verlag 1992. S. 137-151.

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