Auf dem Weg der Heilung

“Ihr in Italien habt einen Heiligen”

Auch auf Malta begegnete Papst Benedikt Missbrauchsopfern

Rom, Vatican Magazin

Ein Interview

Kurz nach der Begegnung von Papst Benedikt XVI. am Sonntag, den 18. April, mit acht Opfern von sexuellen Missbräuchen durch maltesische Priester hat der italienische Journalist Andrea Tornielli ein Interview mit einem der betroffenen Männer geführt. Seinem Gegenüber erklärte dieser Mann, der 38 Jahre alte Joseph Magro, dass die Begegnung mit dem Papst nach all diesen Leiden ein wundervolles Geschenk gewesen sei: “Wir haben alle geweint”, so Magro, “auch der Papst hat geweint.” Ort des hinter verschlossenen Türen stattgefundenen Treffens war die Kapelle der Apostolischen Nuntiatur von Malta.

Können Sie erzählen, was Ihnen geschehen ist?

Ab dem Alter von 15 Jahren wurde ich von 1988 bis 1990 im Waisenhaus St. Joseph sexuell missbraucht. Ein Priester, Pater Charles Pulis, kam, um mich am Morgen zu wecken, und küsste mich auf den Mund, dann masturbierte er mich. Ich konnte nicht sprechen, ich konnte mich nicht widersetzen, ich konnte nichts sagen, weil er mir drohte, mich aus dem Institut zu verweisen.

Seit sieben Jahren läuft der Prozess, doch ein Urteil steht noch aus.Wir haben noch keine Gerechtigkeit erlangt.

Wie war die Begegnung mit dem Papst?

Ich hatte kein Vertrauen mehr in die Priester. Jetzt, nach dieser bewegenden Erfahrung, die ich machen durfte, habe ich wieder begonnen, zu hoffen. Ihr in Italien habt einen Heiligen. Verstanden? Ihr habt einen Heiligen!

Darf ich Sie fragen, welche Worte Sie mit Benedikt XVI. ausgetauscht haben?

Als ich sagte, dass ich Joseph heisse, machte der Papst seine Augen weit auf: “Joseph wie ich!” Ich habe ihn gefragt: “Warum hat mir dieser Priester das angetan, warum hat er mich missbraucht?” Er hat mir geantwortet, indem er mir sagte, er würde für mich beten, und wir haben zusammen gebetet.

Was war die Reaktion des Papstes in diesen Augenblicken?

Mich hat die Tatsache sehr beeindruckt, dass er so grossen Schmerz verspürte. Man sah, dass er zusammen mit mir litt. Ich wollte ihn nicht leiden lassen, ich habe ihm die von mir erlittenen Missbräuche nicht erzählt. Er aber hat zusammen mit mir geweint, obwohl er keine Schuld an dem hat, was mit zugestossen ist.

Quelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Die drei Säulen der röm. kath. Kirche

monstranz maria papst-franziskus

Archiv

Empfehlung

Ausgewählte Artikel